Brücke zwischen Ost und West


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Außenwirtschaft

21. Dezember 2010 - Am 1. Dezember lud Gesamtmasche zum Zentralasien-Kolloquium nach Berlin ein. Experten aus Wirtschaft und Politik diskutierten über die Chancen in den neuen Wachstumsmärkten.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat ihr Rohstoffreichtum den Ländern an der Seidenstraße zu neuer Blüte verholfen. Insbesondere Kasachstan hat innerhalb weniger Jahre ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf erreicht, das höher ist, als in den meisten Staaten Südosteuropas. Neben Öl, Gas und Erzen ist Baumwolle ein wichtiges Exportgut. Als Brücke zwischen Orient und Okzident bieten die Märkte Zentralasiens neue Chancen in Absatz und Beschaffung. Allerdings stellen die Länder Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan mit ihren insgesamt mehr als 63 Millionen Einwohnern einen äußerst heterogenen Markt dar.

Dr. Martin Hoffmann, der beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft den Länderkreis GUS verantwortet, gab einen Überblick zur aktuellen Wirtschaftsentwicklung. Kasachstan ist mit Abstand die reichste der fünf Republiken, gefolgt von Turkmenistan, dessen Kaufkraft mit der ukrainischen vergleichbar ist. Usbekistan stellt nahezu die Hälfte der Bevölkerung der Region. Die Abhängigkeit vom Rohstoffexport zu verringern, ist heute erklärtes Ziel der Regierungen. Der nach der Krise wiedererstarkte Rohstoffhunger der Weltmärkte eröffnet entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten. Der Textil- und Bekleidungssektor gehört regelmäßig zu den Branchen, in denen Investitionen stark gefördert werden. Hintergrund sind die eigenen Baumwollvorkommen sowie das Ziel, Arbeitsplätze für die junge Bevölkerung zu schaffen. Denn längst nicht jeder profitiert gleichermaßen vom Rohstoffboom. Mangelnde Rechtssicherheit, häufige Gesetzesänderungen, Bürokratie und Korruption hemmen die Entwicklung. Dennoch soll die Region auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen.

Utkir Ruziev vom Verband der Leichtindustrie war aus Taschkent angereist, um die wichtigsten Fakten zur usbekischen Textil- und Bekleidungsindustrie vorzustellen. Mit einer Baumwollerzeugung von ca. 1 Million Tonnen und einer Garnproduktion von 300?000 Tonnen gehört das Land zu den wichtigsten Playern im Weltbaumwollmarkt. An der Weltseidenerzeugung hält Usbekistan immerhin 5 Prozent. Die Bevölkerung ist jung, und die Löhne sind niedrig: Ein Facharbeiter verdient pro Monat um die 200 US-Dollar. Chancen für lokal hergestellte Produkte ergeben sich aus den Freihandelsbeziehungen zu den GUS-Märkten. Zur Modernisierung des Sektors hat die Regierung ein 1,7 Mrd. US-Dollar schweres Förderpaket auf den Weg gebracht.

Den Standort Kasachstan mit seinen boomenden Metropolen Astana und Almaty präsentierte Serikbay Zhumabayev, 1. Wirtschaftssekretär bei der kasachischen Botschaft. In der GUS-Republik sorgen steigende Einkommen für hohe Nachfrage nach hochwertigen Konsumgütern. Die Kasachen setzen auf Qualität, und Produkte aus Deutschland genießen hohes Ansehen. Bisher konzentriert sich der Wohlstand noch auf die städtischen Zentren. Förderprojekte sollen dafür sorgen, dass auch die ländlichen Regionen des riesigen Steppenstaates vom Wachstum profitieren. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Verwaltungsgebietes Südkasachstan setzt die Regierung auf die Entwicklung der Textil- und Bekleidungsindustrie.

Besondere Chancen liegen in der Zollunion zwischen Kasachstan, Russland und Belarus, die Anfang 2010 in Kraft getreten ist. Wie Exporteure und Investoren davon profitieren können, erklärte Alena Soldo von Germany Trade & Invest. Noch zeichnet sich die Zollunion durch ein Bürokratie-Dickicht aus, das fast herausfordernder erscheint als die ohnehin komplexen nationalen Vorschriften der Teilnehmerstaaten. Doch der politische Wille ist da. Die umsatzsteuerrechtliche Ausgestaltung ist sogar recht wirtschaftsfreundlich: In Deutschland ansässige Vertriebsgesellschaften brauchen nicht in einem der Teilnehmerstaaten registriert zu sein, um Warenbewegungen innerhalb der Zollunion abzuwickeln.

Mit dem usbekischen Verband will Gesamtmasche in Zukunft enger zusammenarbeiten. Gesamtmasche-Präsident Heinz Horn und Verbandsvorstand Utkir Ruziev unterzeichneten im Rahmen des Kolloquiums ein Kooperationsabkommen, mit dem die Verbände den Aufbau von Geschäftsbeziehungen zwischen deutschen und usbekischen Unternehmen fördern wollen. „Usbekistan ist eines der wichtigsten Baumwollländer und als Tor zum Osten für uns ein wichtiger strategischer Partner“, erklärt Horn. Usbekistan ist sechstgrößter Baumwollproduzent und drittgrößter Baumwollexporteur der Welt. Der bevölkerungsreichste der zentralasiatischen Staaten gehört zu den wichtigsten Garnlieferanten der deutschen Industrie.

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