Biozid-Wirkstoffe

Biozid-Wirkstoffe

Forschung, Technik & Umwelt

18. Dezember 2015 - Die Auslobung von Produkteigenschaften sind im Marketing zu beachten.

Im besonderen Fokus des diesjährigen Biozid-Workshops Anfang Oktober in Filderstadt standen textile Innovationen mit biozider Wirkung. Rund 20 Teilnehmer erarbeiteten unter der Leitung von Südwesttextil-Referent für Technik, Umwelt und Innovation Stefan Thumm, Dipl.- Ingenieur (FH) für Textilchemie und Textilveredelung, viele individuelle Lösungen für den Umgang mit der selbst für Fachleute sehr komplexen neuen EU-Biozidverordnung.

Die EU-Biozidverordnung ist keine textilspezifische Verordnung. Sie strukturiert die Anwendungsbereiche der Biozide in vier Hauptgruppen mit insgesamt 22 Produktarten. Daher sind die Vorgaben zwar definiert, aber branchenunspezifisch allgemein gehalten und die Graubereiche entsprechend groß. Der wesentlichste Unterschied zu früheren, nationalstaatlichen Regelungen besteht darin, dass die biozid behandelten Textilien seit 1. September 2013 gekennzeichnet werden müssen. Das komplexe Thema und die Kennzeichnung am Textil ist mittlerweile in den meisten Fällen gut zu bewerkstelligen und die Unternehmen nehmen den Service des Verbandes rege in Anspruch.

Dass die Steuerung des ganzen Themas maßgeblich beim Marketing beginnt, wissen nur die Wenigsten. Wer denkt schon daran, dass bei der Auslobung des Textils „stößt Zecken“ ab, der entsprechende Biozid-Wirkstoff auch in der Produktklasse PT 19 der Biozidverordnung zur Zulassung bei der ECHA angemeldet sein muss, um das Textil zukunftsfähig in den Markt bringen zu können? Aufgrund der Abhängigkeit der Textilunternehmen von der richtigen Produktklassen- Registrierung der Wirkstoffe durch ihre Vorlieferanten ergeben sich einige Problemfelder. Die Vorlieferanten scheuen sich oft diese korrekt durchzuführen, u. a. auch wegen der hohen Zulassungskosten. Aus diesem Umstand ergibt sich ein massives Innovationshemmnis für die Branche.

Neben den Erfahrungsberichten aus der täglichen Arbeit mit den Mitgliedsunternehmen gab der Biozidexperte den Teilnehmern für die Entwicklung neuer Textilinnovationen mit Biozidfunktion wichtige Werkzeuge anhand, wie beispielsweise die „Artikel 95-Liste“ der ECHA. Das Marketing ist von Anfang an in die Entwicklung eines neuen Textils mit biozider Funktion einzubeziehen und steuert diese sogar federführend. Zur weiteren Verdeutlichung der Auswirkung von Marketingaussagen, präsentierte Thumm den interessierten Teilnehmern Beispiele von kritisch unter Beobachtung stehenden gesundheitlichen Werbeaussagen wie „schützt vor bakterieller Infektion und Übertragung“, „killt 99 Prozent der Bakterien“, „antibakterieller Effekt“, „bekämpft Keime“, „kontrolliert Schimmel- bzw. Pilzwachstum“.

Diese Werbeaussagen sind nicht nur für den Verbraucher zu allgemein gehalten und ohne weitere Spezifikation bzw. Tests kritisch. „Für Exporte nach USA gelten in diesem Punkt sowieso nochmals andere, sehr scharfe Regeln“, so der Referent. Als sehr positiv und als Ergebnis des letztjährigen Workshops stellte Thumm heraus, dass sich die Hohensteiner Institute diesem Umstand sehr zukunftsweisend, u. a. mit der Implementierung eines Smartphone-lesbaren QR-Codes in ihrem Qualitätslabel für antimikrobielle Textilien, Rechnung getragen haben. Eine richtungsweisende Entwicklung.

Foto: Neben den Erfahrungsberichten aus der täglichen Arbeit mit den Mitgliedsunternehmen gab Stefan Thumm den Teilnehmern für die Entwicklung neuer Textilinnovationen mit Biozidfunktion wichtige Werkzeuge an die Hand, wie z. B. die "Artikel 95-Liste" der ECHA.

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