Ostdeutsche Textilbranche bleibt auf Wachstumskurs

Konjunktur

Recht & Wirtschaft

02. Juni 2017 - vti-Mitglieder ziehen Bilanz und beraten zu aktuellen Herausforderungen / Mit „futureTEX“ zum modernsten textilen Wertschöpfungsnetzwerk Europas

In der Textil- und Bekleidungsbranche der jungen Bundesländer hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres die positive Tendenz aus dem Jahr 2016 fortgesetzt und noch verstärkt. „In den Monaten von Januar bis April 2017 konnten wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beim Umsatz um rund sieben Prozent zulegen, im Export sogar um über 16 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten wuchs um nahezu drei Prozent.“ Das berichtete Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti), anlässlich der 26. Ordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes am Donnerstag, 1. Juni 2017, in Waldheim/Sachsen. Im Vorjahr erwirtschaftete die 350 mittelständische Firmen und 16.000 Beschäftigte zählende ostdeutsche Branche einen Gesamtumsatz von 1,82 Mrd. EUR. Mehr als 50 Prozent davon entfielen auf Technische Textilien; rund 30 Prozent auf Heimtextilien und knapp 20 Prozent auf Bekleidung. Der Export stieg um 6,8 Prozent.

„Unser Wachstumsmotor waren, sind und bleiben die Technischen Textilien“, betonte Bertram Höfer: „Wir verfügen insbesondere in der traditionsreichen Textilregion Sachsen-Thüringen über einen einzigartigen Cluster von innovativen Produzenten sowie von renommierten Forschungs- und Bildungseinrichtungen, in dem Themen wie textile Hightech-Materialien, intelligente Textilien, textilbasierter Leichtbau und die im Umfeld erforderlichen Recycling-Prozesse immer mehr Bedeutung erlangen.“

Der vti wirkt als Interessenvertreter auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, als Tarif- und Sozialpartner sowie als Dienstleister für seine rund 180 Mitgliedsunternehmen. Deren Vertreter ziehen am 1. Juni im Waldheimer Tagungszentrum der AOK PLUS Bilanz über die Aktivitäten im Jahr 2016 und diskutieren aktuelle wirtschaftspolitische Themen. Dazu begrüßen sie im öffentlichen Teil der Veranstaltung wichtige Partner der Branche. Prominenter Gastredner ist Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt.

Im Bericht des vti-Vorstandes an die Mitgliederversammlung heißt es: „Die Herausforderungen für die Tätigkeit unseres Verbandes sind vielfältiger Natur. Neben den zunehmenden Belastungen der Firmen durch steigende Erneuerbare-Energie-Umlagen und Netzentgelte sowie durch schwieriger werdende Außenhandelsbeziehungen zu Ländern wie Russland, USA, Großbritannien oder der Türkei stehen Themen an wie die Verschärfung der Gesetzgebung zu Schadstoff- und Gefahrenverordnungen sowie zum Arbeitsschutz; außerdem Prüf- und Zertifizierungsprobleme im Umwelt- und Qualitätssicherungsbereich sowie strengere Kriterien bei der nachhaltig ausgerichteten Textilbeschaffung der öffentlichen Hand.“

Der Verbandsvorstand verweist auf Erfolge wie das 2015 auf Initiative des vti gestartete Projekt „health.textil“. An dem vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) geförderten Vorhaben beteiligten sich bislang zwölf mittelständische Hersteller von Medizin- und Gesundheitstextilien sowie die AOK PLUS für Sachsen und Thüringen, der Healthy Saxony e. V., Dresden, und das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI), Chemnitz. „Es ist uns gelungen, den Dialog zwischen Textilindustrie und Gesundheitswirtschaft zu fördern und Entscheidern in Kliniken, Pflegeheimen sowie in Kur- und Wellnesseinrichtungen die Leistungsfähigkeit der heimischen Textilproduzenten zu verdeutlichen“, erläuterte vti-Vorstandsvorsitzender Friedmar Götz. Gegenwärtig seien mit dem SMWA Gespräche über die Fortsetzung des Projekts im Gange.

Vorstand und Mitglieder des vti haben auch Herausforderungen wie die zunehmende Digitalisierung von Produktions- und Vertriebsprozessen im Blick: „Deshalb wirken zahlreiche Mitgliedsfirmen und unser Verband selbst an ‚futureTEX‘, dem größten textilen Forschungsverbundvorhaben in der Geschichte der Bundesrepublik, mit“, so Friedmar Götz: „Die vier Basis-Themen lauten ‚Smart Factory‘, ‚Mass Customization‘, ‚Open Innovation‘ und ‚Arbeitswelt 4.0‘. Insgesamt sind rund 180 Unternehmen, Institute und Organisationen beteiligt. Unser erklärtes Ziel ist der Aufbau des modernsten textilindustriellen Wertschöpfungsnetzwerkes Europas bis zum Jahr 2030. Diese Chance werden wir nutzen.“

Im Resultat eines Wettbewerbs hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2013 einem vom Sächsischen Textilforschungsinstitut geführten Bewerber-Konsortium rund 45 Mio. EUR für branchenübergreifende interdisziplinäre Forschungsvorhaben aus dem Programm „Zwanzig 20 – Partnerschaft für Innovation“ zugesprochen. Laut Fördermittelrichtlinie des BMBF kommen mehr als 80 Prozent der Projekt-Akteure aus den jungen Bundesländern.

Quelle: Pressemitteilung vti

zur Übersicht