Minister Müllers Grüner Knopf

Der grüne knopf

Forschung, Technik & Umwelt

30. Juli 2018 - Geht es nach Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, dann soll der „Grüne Knopf“ bereits 2019 als staatlich propagiertes Nachhaltigkeitssiegel die ersten Textilien zieren. Doch das Projekt entpuppt sich als Etikettenschwindel.

Tatsächlich gibt es bereits genügend Siegel mit sehr hohen Anforderungen. Den Grünen Knopf braucht also niemand. Zudem garantiert er keinesfalls einwandfreie Produktionsbedingungen. Doch von seinem Prestigeprojekt will sich der Minister nicht abbringen lassen.

Das Minister-Projekt hört sich gut an, kann aber nicht funktionieren. Wer ökologisch und sozial einwandfreie Herstellung über die gesamte Lieferkette prüfen will, braucht eine ständige umfassende Überwachung. Wie das BMZ diese durchführen will, sagt bisher niemand. Vor allem über die Kosten wird kein Wort verloren. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller verspricht Konsumenten ein gutes Gewissen auf einfachem Weg und mehr oder weniger zum Nulltarif. Wer Textilprodukte mit dem "Grünen Knopf" kauft, soll 100 Prozent sicher sein, dass es „vom Baumwollfeld bis zum Bügel“ in jeder Hinsicht sozialen und ökologischen Standards genügt – mit staatlicher Garantie.

Das Primark-Syndrom: Möglichst viel in der Tüte fürs Geld
NGOs und Medien kritisieren seit langem das Angebot von Billigtextilien zu Spottpreisen. Dafür verantwortlich gemacht wird „die Textilindustrie“, die sich auf Kosten der Näherinnen in Bangladesch die Taschen vollmacht. Dass große Handelsketten und Discounter nicht dasselbe sind wie die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, und dass genau diese Industrie unter den irrsinnigen Kampfpreisen leidet, will in der Diskussion niemand wissen. Gern verschwiegen wird auch, dass durchschnittliche Konsumenten ihre Kaufentscheidung vor allem nach dem Preis richten. Ein Öko-und-Fair-Versprechen finden sie schön, wenn es möglichst nichts kostet. Die Juni-Werbeaktion einer Kaufhauskette – „Damen-Tops für 1,50 Euro, da nehm‘ ich ein paar mehr mit“ – spricht Bände. Die Tops wurden zum selben Preis in einer Biobaumwoll-Variante angeboten.

Ein Etikettenschwindel schadet allen
Wenn Bundesminister Müller etwas garantiert und dann nicht einhalten kann, hat nicht nur er selbst ein großes Problem. Wird der Grüne Knopf als Etikettenschwindel entlarvt, ergibt sich dadurch ein Glaubwürdigkeitsverlust für die ganze Branche. Die Textilproduktion nach höchsten Sozial- und Umweltstandards hat ihren Preis. Darüber sind Konsumenten bisher viel zu wenig aufgeklärt. Hier hätte der Minister ein weites Betätigungsfeld. Noch spielen Nachhaltigkeitsaspekte für das Gros der Endkunden allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die meisten machen sich schlichtweg gar keine Gedanken zum Thema. Umso mehr wäre ein staatlich verordnetes Siegel ein Spiel mit dem Feuer.

Bild: © Alexas_Fotos / pixabay.com

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