Modebranche in Corona-Zeiten

MESSEN, MODE & TRENDS
 
 
Modebranche in Corona-Zeiten
17.12.2020
COVID-19 verändert das Konsumentenverhalten radikal. Die Pandemie verstärkt und beschleunigt Trends, die sich bereits abgezeichnet haben. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, schnell zu reagieren.

Die Bekleidungsindustrie ist neben der Reisebranche einer der international am stärksten durch die Corona-Krise betroffenen Sektoren. Für den deutschen Retail-Umsatz mit Bekleidung und Schuhen 2020 prognostiziert Euromonitor International einen Umsatzrückgang von -22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit dürfte de Umsatz um 17 Prozent zurückgehen. Zugelegt hat die Branche 2020 in keinem Land der Erde.

Grafik: Euromonitor International

Schrumpfmarkt und schwächelnde Mittelschicht

Asien-Pazifik ist die einzige Weltregion, in der in den nächsten Jahren spürbares Wachstum zu erwarten ist. In Europa hingegen kämpfen die Marktteilnehmer um ihr Stück am schrumpfenden Kuchen. Die wirtschaftliche Rezession führt zu einem enormen Verlust an verfügbaren Einkommen. In Deutschland dürfte sich die Mittelschicht (Haushaltseinkommen 30.000 bis 75.000 US-Dollar pro Jahr) zwischen 2019 und 2021 um ca. 5 Millionen verringern. Erst ab 2022 ist mit langsamer Erholung zu rechnen. Die ante-Covid geschätzte Entwicklung wird aber erst langfristig, womöglich auch nie mehr erreicht. Ähnliches gilt für andere westeuropäische Märkte und Japan, während die USA bereits 2023 wieder deutlich positiv tendieren. Gleichzeitig verstärkt sich die Dominanz des Private Label-Business. Zusammen mit der aktuellen Rabattspirale stehen die Margen der Industrie stärker denn je unter Druck.

 

Von „Make to Stock“ zu “Make to Order”

„Post-Covid-Konsumenten kaufen zweckgerichtet“, meint Grant Budding, Senior Consultant Public Sector and Professional Services bei Euromonitor. “Bei ihrer Kaufentscheidung erwarten Sie einen klaren Mehrwert. Dabei spielen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Personalisierung eine große Rolle.“ Der E-Commerce nimmt in Deutschland Fahrt auf. Der Anteil des Online-Umsatzes am gesamten Modeumsatz soll von heute – im internationalen Vergleich bescheidenen – 11 Prozent bis 2030 auf 24 Prozent wachsen. Die Ära der Mass Customization hat begonnen. Für ihr passgenaues Wunschprodukt sind Konsumenten künftig auch bereit, etwas länger zu warten.

 

Weniger produzieren – aber öfter

Langfristig wird die Pandemie die Beschaffungsketten und den internationalen Handel im Textil- und Modebereich grundlegend beeinflussen. Re- und Near-Shoring-Strategien haben Konjunktur. Firmen wie Inditex haben ihre Lieferketten bereits deutlich (59%) nach Nordafrika und in die Türkei verlagert. Near-Shoring erlaubt kürzere Lieferfristen und häufigere, kleinere Orders. Dies führt auch zu geringerer Umweltbelastung und reduziert Überhänge. Die Türkei, Maghreb, Mashrek und Äthiopien gehören zu den Ländern, die in diesem Rahmen zunehmend interessant sind.

Im Rahmen des Gesamtmasche-Web-Seminars “Apparel Industry in a Time of Change – Key Lessons for COVID-19 response” am 19. November 2020 präsentierten Marktforscher von Euromonitor International aktuelle Analysen zu internationalen Trends auf Angebots- und Nachfrageseite. Euromonitor gehört zu den führenden Dienstleistern im Bereich der internationalen Marktanalyse. Mitgliedsfirmen können die Präsentation bei Gesamtmasche abrufen.

↘ Silvia Jungbauer, jungbauer@gesamtmasche.de

Bild: © Samuel Rodriguez – unsplash.com

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