Ein schlechter Tag für deutsche Exportwirtschaft: Am 21. Januar 2026 hat das Europäische Parlament mit einer knappen Mehrheit entschieden, die getrennte Abstimmung über den Handelsteil und den politischen Teils des EU-Mercosur-Abkommens dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorzulegen. Mit 334 zu 324 Stimmen wurde damit ein Gutachtenverfahren eingeleitet, das die Entscheidung über Handelserleichterungen um Jahre verzögern könnte.
„Statt auf wirtschaftliche Vernunft setzt das Europäische Parlament auf weltfremde Symbolpolitik. Für die Branche bedeutet das entgangene Exportmöglichkeiten in einem wachsenden Markt mit über 700 Millionen Verbrauchern. In Zeiten der Standortkrise ist das schlichtweg ein Skandal.“
Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmasche.
Textil- und Bekleidungsbranche wird weiter ausgebremst
Das EU-Mercosur-Abkommen sieht u. a. signifikante Zollabschläge auf Textil- und Bekleidungswaren über einen Zollsenkungsfahrplan vor. „Der Abbau der hohen Zollmauern, die den Export bislang künstlich verteuern, ist für deutsche Textil- und Bekleidungsfirmen eine dringend benötigte Gelegenheit zur Erschließung neuer Märkte“, sagt Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin von GESAMTMASCHE. „Mit der Entscheidung des EU-Parlaments werden wichtige Chancen vertan. Dabei müssen wir angesichts des schrumpfenden Heimatmarktes und globaler Handelskonflikte dringend jede neue Exportchance nutzen.“
EU-Parlament verkennt den wirtschaftlichen Kontext
Hintergrund der parlamentarischen Entscheidung sind Bedenken der Abgeordneten im Bereich Landwirtschaft und Umweltstandards. Diese Sorgen erscheinen zwar auf den ersten Blick legitim. Sie ignorieren jedoch die realen Bedürfnisse und strategischen Interessen der europäischen Wirtschaft. „Gerade den mittelständischen Textil- und Bekleidungsbetrieben wird in Zeiten einer schweren Krise im Heimatmarkt die Chance auf Umsätze in neuen Märkten verbaut“, sagt Silvia Jungbauer. „Dieses Vorgehen ist nicht nur weltfremd, sondern destruktiv. Die Parlamentarier nehmen die Schädigung des eigenen Standorts billigend in Kauf.“
Gesamtmasche: Klare Kritik an politischer Blockade
Für mittelständische Unternehmen, die bereits heute mit Lieferengpässen, steigenden Energiekosten und starken internationalen Wettbewerbern kämpfen, wohl kaum ein ermutigendes Signal. „Es ist Zeit für eine verantwortungsvolle Handelspolitik, die den Wirtschaftsstandort Europa stärkt, statt sich in politischen Grabenkämpfen zu verlieren. Eine erneute ideologische Debatte, die Exportchancen verbaut, kann sich Europa schlicht nicht mehr leisten.“
Mehr zum EU-Mercosur-Abkommen aus Sicht der mittelständischen Textil- und Bekleudngsindustrie unter EU-Mercosur: Handelsabkommen auf der Zielgeraden – Gesamtmasche.
Bild: Open AI
