Seit Ende 2023 treibt GESAMTMASCHE mit dem äthiopischen Textil- und Bekleidungsverband ETGAMA und dem äthiopischen Landwirtschaftsministerium die Zertifizierung von Baumwolle voran. Ausgangspunkt ist die Pilotregion Arba Minch, wo der Bio-Anbau bereits bei einigen Kooperativen Maßstab etabliert werden konnte. Jetzt wird auch die Region Afar im Nordosten des Landes einbezogen. Dadurch erhoffen sich die Projektpartner nicht nur größere Mengen: Baumwolle aus Afar ist für ihre gute Qualität und größere Stapellänge bekannt.
Der Awash-Fluss, der westlich von Addis Abeba im Regionalstaat Oromia entspringt, fließt durch den südlichen Teil der Afar-Region und ermöglicht es den Menschen, in einer ansonsten trockenen Umgebung Baumwolle und andere Feldfrüchte anzubauen. „Aufgrund des Klimas müssen die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen mit viel Umsicht genutzt werden. Das unterstreicht die Notwendigkeit nachhaltiger Praktiken“, sagt Mesele Mekuria, der als Baumwollexperte vor Ort für das Partner Africa Ethiopia-Projekt (PAE) tätig ist.
„In unseren Pilotzonen in Arba Minch schwankt die Faserqualität, da die Baumwolle dort nicht bewässert wird und die Regenfälle unregelmäßig sind. Damit wir Bio-Qualitäten für Garne liefern können, die den Qualitätsanforderungen deutscher Abnehmer entsprechen, wollen wir das in Afar bestehende Potenzial heben.“
Mesele Mekuria, PAE-Projektmanager für Baumwolle
Im Februar hat Mesele Mekuria gemeinsam mit Samson Asefa, dem Fachbeauftragten des äthiopischen Landwirtschaftsministeriums, die Situation in Afar bewertet und die Verfügbarkeit von Ackerland, Wasser und Betriebsmitteln, geeigneten Böden, die Temperatur und die Niederschlagsbedingungen untersucht. „Die Landwirte zeigen große Bereitschaft auf ökologischen Baumwollanbau umzustellen“, sagt Asefa. „Die Zonen („Woredas“) Asita, Afambo und Dubti bieten sehr gute Voraussetzungen für die Ausweitung unserer Aktivitäten. Dort ist das Klima günstig und die Böden sind fruchtbar. Bereits heute kommen chemische Dünger oder Schädlingsbekämpfungsmittel kaum zum Einsatz.“ Das PAE-Team geht von einer landwirtschaftlichen Nutzfläche in den drei Regionen von weit über 100.000 Hektar aus. Mindestens ein Zehntel davon stufen Sie als geeignet für die Biobaumwollproduktion ein.
Neben den günstigen Voraussetzungen gibt es aber auch große Herausforderungen: Es fehlt an hochwertigem Saatgut, Landtechnik und einer eigenen Entkörnungsanlage. Vor allem beklagen die Bauern die mangelnde Direktverbindung zu ihren Kunden, den Spinnereien. Dadurch schöpfen bislang Mittelsmänner einen Großteil der Marge ab. und Hier will PAE ansetzen und eine bessere Vernetzung mit der Industrie sorgen.
„Die baumwollverarbeitende Industrie in Äthiopien hat ein großes Interesse an Direktverbindungen zu den Erzeugern und hofft durch das Projekt sowohl auf Qualitätsverbesserungen als auch ein Mengenwachstum der ökologisch erzeugten Fasern. Wenn es gelingt, die Aktivitäten des Projekts auf Afar auszuweiten, können wir in den nächsten beiden Jahren die Qualität unserer Garne und Stoffe erheblich verbessern.“
Ageazi Hailemariam, Geschäftsführer des Branchenverbandes ETGAMA
Bild: GESAMTMASCHE