Textilgesetz: Hohe Kosten, wenig Wirkung Bild: OpenAI

Textilgesetz: Hohe Kosten, wenig Wirkung

Das neue Textilgesetz soll die Hersteller stärker in die Verantwortung nehmen. Tatsächlich drohen vor allem neue bürokratische Strukturen – und der Mittelstand zahlt die Zeche.

Mit dem heute vorgelegten Eckpunktepapier für ein neues Textilgesetz will das Bundesumweltministerium die erweiterte Herstellerverantwortung im Textilbereich umsetzen. Doch statt wirksamer Umweltpolitik zeichnet sich ein System ab, das vor allem neue bürokratische Strukturen schafft – und den Mittelstand zur Kasse bittet.

Das Eckpunktepapier finden Sie hier:

Mittelstand zahlt – gesteuert wird anderswo

Künftig sollen Hersteller die vollständige finanzielle Verantwortung für Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien übernehmen. Ihre operative Rolle bleibt jedoch stark eingeschränkt, wenn es nach den aktuellen Eckpunkten geht. Neue „Organisationen für Herstellerverantwortung“ sollen zentrale Aufgaben übernehmen. Für viele mittelständische Unternehmen bedeutet das: steigende Kosten bei gleichzeitig geringem Einfluss auf die tatsächliche Umsetzung. Verantwortung und Steuerung fallen auseinander – die Unternehmen werden zu reinen Beitragszahlern in einem System, das sie kaum mitgestalten können.

Fast Fashion bleibt weitgehend unberührt

Zwar benennt das Eckpunktepapier den wachsenden Druck durch Fast Fashion als Problem, wirksame Gegenmaßnahmen bleiben jedoch aus. Die Finanzierung orientiert sich weiterhin in erster Linie an Mengen. Große Anbieter können zusätzliche Kosten in ihre Preismodelle integrieren, während kleinere und mittelständische Unternehmen mit langlebigeren Produkten, aber kleinen Serien stärker belastet werden. Die angekündigte Ökomodulierung bleibt unkonkret – klare Anreize für nachhaltigere Produkte sind bislang nicht erkennbar.

Ambitionierte Ziele ohne tragfähiges Konzept

Mit Sammelquoten von 70 %, Recyclingquoten von 85 % und einer Verwertungsquote von 95 % setzt das Papier hohe Ziele. Doch wie diese konkret erreicht, gemessen und kontrolliert werden sollen, bleibt offen. Ohne klare Definitionen und praktikable Umsetzungsmechanismen drohen diese Vorgaben zu politischen Zielmarken ohne echte Steuerungswirkung zu werden.

Fokus auf Strukturen statt Umweltwirkung

Der Gesamteindruck erregt Sorge: Statt konsequent auf Abfallvermeidung und bessere Produktgestaltung zu setzen, steht die Organisation von Finanzströmen und neuen Strukturen im Vordergrund. Neue Institutionen, Berichtspflichten und Abstimmungsgremien entstehen – während der tatsächliche Umweltnutzen des Systems unklar bleibt.

Jetzt nachsteuern

Bis zum 24. April 2026 können Stellungnahmen eingereicht werden. Für die Branche ist klar: Das Gesetz muss nachgebessert werden. Notwendig sind insbesondere eine echte operative Einbindung der Hersteller, wirksame Instrumente zur Reduzierung von Fast Fashion, klare, nachvollziehbare Zieldefinitionen und ein System, das Umweltwirkung vor Bürokratie stellt

Nur dann kann aus dem Textilgesetz ein funktionierendes Instrument für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft werden – statt eines weiteren kostenintensiven Systems zulasten des Mittelstands.