Textilgesetz: Hersteller müssen Kern des Systems sein Bild ©: erstellt mit Chat GPT

Textilgesetz: Hersteller müssen Kern des Systems sein

Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und Politik diskutierten auf dem EUREF-Zukunftscampus darüber, wie ein Textilgesetz und damit Kreislaufwirtschaft effizient, praxisnah und bürokratiearm funktionieren kann.

Über 150 Stakeholder aus Wirtschaft, Verbänden und Politik haben in einer eintägigen Konferenz auf dem EUREF-Zukunftscampus darüber diskutiert, wie ein Textilgesetz und damit Kreislaufwirtschaft effizient, praxisnah und bürokratiearm funktionieren kann.

Bundesminister Schneider zu Gast auf Konferenz von Gesamtverband textil+mode und GRS PRO TEXTIL

Prominenter Gast beim 3. Stakeholder-Dialog zur Erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilien war Bundesumweltminister Carsten Schneider, der erst vor kurzem seine Eckpunkte für ein nationales Textilgesetz zur Umsetzung der EPR vorgestellt hatte. Neben einer Rede zu seinem Gesetzesvorhaben hatte Bundesminister Schneider Gelegenheit, sich auf einem Marktplatz Beispiele textiler Kreislaufwirtschaft aus Industrie, Forschung und von Startups anzusehen und sich mit Praktikern auszutauschen. Mehr zum Marktplatz der textilen Kreislaufwirtschaft

Industrie- und Branchenkenner appellierten an Bundesminister Schneider, das Wissen und Können deutscher Textilhersteller und einer in Deutschland exzellent aufgestellten Textilforschung zu nutzen, um über ein reines Sammelsystem hinaus zu echter Kreislaufwirtschaft zu kommen. Denn Textilien sind kein Abfall, sie sind wertvoller Rohstoff für neue Produkte.

Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie: „Wenn Hersteller von Textilien und Schuhen nur dafür zahlen sollen, dass sie Produkte in Verkehr bringen, die irgendwann irgendwo intransparent entsorgt werden, haben wir eine riesige Chance auf echte Kreislaufwirtschaft verspielt und unsere Potenziale auf diesem Zukunftsfeld verschenkt:  Kreislaufwirtschaft entsteht nicht durch die Erschließung neuer Finanzquellen und zusätzlicher Bürokratie, sondern durch effektive Steuerung und Expertise. Seit Jahren widmen wir uns als Branche, in den Unternehmen, in der Ausbildung, in der Forschung und in unseren Verbänden intensiv der Kreislaufwirtschaft.“

Dr.-Ing. Julia Hobohm, Geschäftsführerin der GRS Pro Textil begrüßte den Schritt des Gesamtverbandes textil+mode:„Wir stehen an einem entscheidenden Punkt für die textile Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa: Bestehende Systeme sind nicht per se effizient, wir müssen neue Wege gehen. Dabei verstehen wir uns als Brückenbauer zwischen Politik, Herstellern und Abfallwirtschaft. Unser Anspruch ist es, EPR in Deutschland pragmatisch und wirkungsvoll umzusetzen. Dabei ist klar: EPR für Textilien kann nicht in einen Topf mit Elektroschrott oder Batterien geworfen werden. Nur mit passgenauen, bürokratiearmen Lösungen ist Deutschland in der Kreislaufwirtschaft zukunftsfähig.“

Gemeinsame Herstellerstelle

Mit einer gemeinsamen Herstellerstelle für Bekleidung, Heimtextilien und Schuhe will der Gesamtverband textil+mode ein konkretes Angebot an die Politik für die Gestaltung und Umsetzung eines Textilgesetzes machen. Eine von der Wirtschaft getragene, neutrale und nicht gewinnorientierte Struktur soll zentrale Aufgaben übernehmen und so eine effiziente, transparente Systemsteuerung ermöglichen sowie die Branchenexpertise im Kontext der textilen Kreislaufwirtschaft gebündelt einbringen.

„Mit einer Gemeinsamen Herstellerstelle schaffen wir die Voraussetzungen für ein schlankes, fachlich fundiertes und wirksames textiles EPR-System“, so Hauptgeschäftsführer Mazura. „Dabei werden wir gemeinsam auch die Probleme in den Blick nehmen müssen, wie textile Ramschware aus Ultra Fast Fashion europäische Märkte flutet und nicht nur die Kleidercontainer verstopft, sondern auch die Qualitätshersteller in ihren Anstrengungen um Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit die Geschäftsgrundlage zerstört. Fairer Wettbewerb sieht anders aus – und muss aktiv vom Gesetzgeber geregelt werden.“