Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e. V. (TITK) entwickelte ein Verfahren, um Lyocell-Fasern mit therapeutisch wirksamen Cannabidiol (CBD) zu funktionalisieren. Daraus gefertigte Textilien geben den Wirkstoff permanent in relevanten Mengen an die Haut ab – und das auch nach häufigem Tragen und Waschen.
Cannabidiol – lange unterschätzter Wirkstoff
Die Hanfpflanze bildet zahlreiche biologisch aktive Stoffe, darunter über 100 Cannabinoide. Eines der bekanntesten ist CBD. Es wirkt unter anderem antioxidativ, antimikrobiell, entzündungshemmend, juckreizstillend sowie wundheilend. Aufgrund dieser Eigenschaften wird CBD zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt und liegt auch für kosmetische Produkte voll im Trend.
Von natürlichen Hanffasern zum Feinfilament
Die Idee, Kosmetotextilien aus Hanffasern herzustellen, liegt nahe. Doch manche Hanfsorten sind zwar reich an CBD, textile Hanfasern weisen jedoch nur geringe Spuren des Wirkstoffs auf. Das TITK verfolgte daher einen anderen Ansatz: Es nutzte Lyocell-Fasern als Wirkstoffträger. Zum Einsatz kam dafür die am TITK entwickelte Cell Solution® – Technologie – ein Verfahren, mit dem alternative Zellstoffquellen wie z. B. Hanfreststoffe für die Herstellung von Lyocell-Fasern nutzbar gemacht werden können.
Wie kommt das CBD in die Faser
Das CBD in Form eines pulverförmigen Isolats zusammen mit biobasiertem Paraffinwachs direkt in die Lyocell-Spinnlösung dispergiert. In Versuchsreihen optimierten die Forschenden sowohl die Konzentration als auch die Verteilung der Additive. Das Ergebnis: Die CBD-Fasern sind mit 1–3 dtex nicht nur deutlich feiner als native Hanffasern, sie weisen auch einen deutlich höheren CBD-Anteil von 7–9 % auf.
Weltweit erste Textilien mit CBD-Fasern auf Zellulosebasis
„Die hohe Wirkstoffkonzentration unserer CBD-Fasern erlaubte uns, diese mit anderen Fasern zu mischen.“, erklärt Projektleiter Dr. Frank Wendler vom TITK. Zur Herstellung von Prototypen entschied sich das Forschungsteam für eine Garnmischung aus 15 % CBD-Faser, 50 % Tencel und 30 % Polyamid.
Aus dem Mischgarn wurden zunächst einfädig Strümpfe gestrickt. Weitere Prototypen folgten: körpernahe Shirts und Leggings, mit der Seamless-Technologie plattiert gestrickt wurden. Durch die Plattierung mit zwei verschiedenen Garnen – außen Polyamid/Elastan, innen das CBD-Garn – kann der Wirkstoff gezielter auf der Haut wirken. Bei den Strümpfen konnte eine Wirkstofftransferrate von 0,53 mg/m² CBD gemessen werden. Die plattierten Seamless-Gestricke zeigten bei Tests sogar einen etwas höheren Wert von 0,7 mg/m².
Depot sorgt für permanenten Wirkstoff-Release
„T-Shirts oder Unterhemden werden über mehrere Stunden getragen. Durch den permanenten Release steht das CBD kontinuierlich zur Verfügung und kann sich so in den oberen Hautschichten akkumulieren.“, bemerkt Benjamin Redlingshöfer, geschäftsführender Direktor am TITK. Kosmetische Cellulosefasern besitzen für den Wirkstoff-Release einen deutlichen Vorteil gegenüber synthetischen Fasern. Schon während des Trocknens der Zellulosefaser entsteht eine fibrilläre Struktur mit einem Kapillarsystem. In diesem ist die Wirkstoffdispersion eingelagert. Aufgrund von Druckunterschieden in den Kapillaren gelangen die Wirkstoffe durch Diffusion von der Faserinnenseite zur Faseraußenseite. Dabei bleibt das Depot des Wirkstoffs in der Faser über die gesamte Lebensdauer bestehen und sorgt somit für eine permanente Abgabe aus dem Textil. Waschtests zeigen zudem: Selbst nach 50 Standardwäschen bei 40 °C bleiben rund 40 % des Wirkstoffs in den Textilien erhalten.
Kontakt: Dr. Frank Wendler – TITK, wendler@titk.de
Tipp:
Vertiefende Einblicke in die Forschungsarbeit gewährt das TITK im Rahmen unseres Technischen Ausschusses. Dieser wird am 15.–16. Juni 2026 beim ITM in Dresden stattfinden. Nähere Informationen folgen in Kürze.