Neue chinesische Vorschriften und aktuelle Gegensanktionen gegen ausländische Gesetze erhöhen zunehmend die Rechtsunsicherheit im China-Handel – auch für KMU.
Mit den Dekreten 834 und 835 hat China sein Instrumentarium zum Schutz eigener Lieferketten und zur Abwehr ausländischer Maßnahmen deutlich erweitert. Brisant wird es dort, wo Unternehmen Informationen aus chinesischen Lieferketten benötigen, um europäische oder internationale Anforderungen zu erfüllen.
Am 5. August 2026 hat das chinesische Handelsministerium MOFCOM nun sechs US-amerikanische Organisationen mit Gegenmaßnahmen belegt. Darunter sind Akteure, die bei Audits, Sorgfaltsprüfungen und Rückverfolgbarkeit eine Rolle spielen: die Responsible Business Alliance (RBA), Verité, Altana Technologies, Applied DNA Sciences, Stratum Reservoir und Human Rights in China. Organisationen und Personen in China dürfen grundsätzlich nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten.
Für die Textil- und Modeindustrie ist das besonders relevant. Verité befasst sich unter anderem mit Arbeitsbedingungen und Zwangsarbeitsrisiken; Applied DNA Sciences bietet Verfahren zur Herkunftsverifizierung von Baumwolle an. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Unternehmen, Risiken wie Zwangsarbeit auszuschließen und die Herkunft von Produkten und Materialien nachvollziehbar zu machen.
KMU in der Zwickmühle
Auch Unternehmen, die selbst nicht unmittelbar unter bestimmte Sorgfaltspflichtengesetze fallen, müssen ihren Kunden zunehmend detaillierte Lieferketteninformationen liefern. Gerade in der Textilindustrie kann dies schwierig sein: Zwischen dem Rohstoff und dem deutschem Importeur stehen meist zahlreiche Verarbeitungsstufen wie Spinnerei, Strickerei, Veredelung und Konfektion.
Damit entsteht ein Dilemma: Kunden und europäische Vorschriften verlangen mehr Transparenz – während die Beschaffung und Weitergabe entsprechender Informationen in China rechtlich sensibler wird.
Ein pauschales Verbot von Audits oder Lieferantenabfragen folgt daraus derzeit nicht. Unternehmen sollten aber prüfen, welche Daten sie in China erheben, welche Dienstleister sie einsetzen und ob Beziehungen zu den neu gelisteten Organisationen bestehen. Besondere Vorsicht ist auch bei vorschnellen Entscheidungen über bestehende Lieferbeziehungen geboten.
Siehe auch unsere Meldung vom 29. April 2026: China verschärft Gegenmaßnahmen gegen extraterritoriale Gesetze.
Bild: OpenAI