Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz Nahostkonflikt, Energiepreisen und Handelsbarrieren robust. Doch Wachstum und Risiken sind ungleich verteilt. Für die deutsche Textil- und Modeindustrie bleibt das Umfeld schwierig – besonders für Unternehmen mit starkem Fokus auf Deutschland und Europa.
Euromonitor International rechnet 2026 mit einem realen globalen Wachstum von 3,0 Prozent, nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Nach dem Schock durch die Störungen an der Straße von Hormus wurde die Prognose zunächst gesenkt, im Juli aber wieder leicht angehoben: Alternative Transportwege und neue Energiequellen haben die Folgen begrenzt. Höhere Fracht-, Versicherungs- und Energiekosten sowie neue US-Zölle bleiben jedoch Belastungsfaktoren.
Europa ist besonders exponiert: Schwaches Wachstum trifft hohe Kosten
Für die Eurozone erwartet Euromonitor 2026 lediglich 0,9 Prozent Wachstum bei 2,8 Prozent Inflation. Hohe Energiekosten schwächen die Kaufkraft und begrenzen den Absatz nicht lebensnotwendiger Konsumgüter. Gleichzeitig geraten energieintensive und exportorientierte Hersteller unter Druck – Deutschland wird im Quartalsbericht vom 19. August 2026 ausdrücklich als besonders betroffen genannt.
Für deutsche Textilunternehmen kommt hinzu: Energie ist hier nicht nur wegen teurer Rohstoffe und Importabhängigkeit ein Wettbewerbsnachteil. Auch Energiepolitik, Netzkosten, Steuern und weitere staatlich beeinflusste Belastungen treiben die Standortkosten. Damit trifft die Branche ein doppelter Effekt: hohe Produktionskosten auf der einen, gedämpfte Kaufkraft auf der anderen Seite.
Wachstum verschiebt sich: Internationale Präsenz wird wichtiger
Während Europa schwächelt, wachsen andere Märkte deutlich stärker. Indien dürfte 2026 um 6,5 Prozent, China um 4,6 Prozent zulegen. Für international aufgestellte Unternehmen eröffnet das Chancen. Schwieriger ist die Lage für kleinere, weniger exportorientierte Betriebe, deren Geschäft sich vor allem auf Deutschland und Europa konzentriert. Sie können die schwache Nachfrage in Europa nicht ohne Weiteres durch Wachstum in anderen Regionen kompensieren.
Ausnahmen können Sondermärkte mit eigener Nachfragekonjunktur sein. Technische Textilien für Verteidigung, Sicherheit oder Gesundheit können derzeit von politischen Prioritäten und hohen öffentlichen Ausgaben profitieren. Wie dauerhaft solche Impulse tragen, ist allerdings offen – und sie betreffen nur einen Teil der Branche.
Geopolitik wird zum dauerhaften Kostenfaktor
Euromonitor unterstreicht: Energiepreise, Fracht, Versicherungen und Zölle sind nicht mehr nur vorübergehende Störungen. Ein länger anhaltender Konflikt könnte hohe Energie- und Transportkosten bis weit in das Jahr 2027 hinein festschreiben. Europa wäre besonders betroffen. Gleichzeitig verändert der Protektionismus die Handelsströme. Bei einer weiteren Eskalation könnte das Wachstum der Eurozone 2027 nochmals um 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen; exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland wären besonders exponiert.
Die Weltwirtschaft wächst – aber nicht überall gleich
Die Kernbotschaft des Euromonitor-Ausblicks ist deshalb durchaus differenziert: Die Weltwirtschaft bleibt widerstandsfähig, Europa jedoch zählt zu den schwächeren und verwundbareren Regionen. Für die deutsche Textil- und Modeindustrie bedeutet das: Internationale Diversifizierung gewinnt an Wert. Wer überwiegend vom deutschen und europäischen Markt abhängt, hat es schwerer – sofern nicht besondere Absatzmärkte oder Nischen einen eigenen Wachstumsschub liefern.
↘ Euromonitor International ist mit Niederlassungen auf der ganzen Welt, Analysten in über 100 Ländern und Marktforschung zu den wichtigsten Trends und Verbraucherverhalten eines der führenden Institute für internationale Wirtschafts- und Marktanalyse.
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