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Chancen nutzen statt ausbremsen

Deutschland braucht mehr als eine Konjunkturspritze durch zusätzliche – überwiegend konsumtiven - Staatsausgaben. Es braucht wieder Wachstum aus eigener unternehmerischer Kraft.

Martina Bandte. Bild: © GESAMTMASCHE

GESAMTMASCHE-Präsidentin Martina Bandte: „Wachstum entsteht dort, wo Unternehmen investieren, entwickeln und Neues wagen – wenn man ihnen den Raum dafür lässt.“

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder. Knapp 1,2 Prozent erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft für 2026 – mehr als noch vor wenigen Monaten gedacht. Das ist eine gute Nachricht. Aber sicher kein Aufschwung. Denn ein erheblicher Teil des Plus wird von staatlichen Ausgaben getragen, während private Investitionen schwach bleiben. Für das zweite Halbjahr rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bereits wieder mit weniger Dynamik.

Staatliche Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung können wichtige Impulse geben. Dauerhaft tragen müssen den Aufschwung aber die Unternehmen. Sie investieren, entwickeln neue Produkte, erschließen Märkte und schaffen Arbeitsplätze. Dafür brauchen sie vor allem eines: Bedingungen, unter denen sich ihre eigene Kraft entfalten kann.

Dass diese Kraft vorhanden ist, zeigt gerade unsere Branche. Die Marktchancen sind da, und weltweit wächst die Masche kräftig. Die globalen Exporte von Maschenbekleidung erreichten 2025 rund 289 Milliarden US-Dollar – fast doppelt so viel wie 2006 und inzwischen mehr als bei gewebter Bekleidung. Nur Deutschland wächst nicht mit. Dabei haben deutsche Unternehmen viel anzubieten: Qualität, Funktion, Spezialisierung und immer wieder neue Ideen.

In diesem Heft lesen Sie, wieviel Bewegung in unserer Branche steckt: Familienunternehmen verbinden den Generationswechsel mit Digitalisierung. Neue textile Lösungen reichen von formveränderlichen 4D-Stoffen über Solartextilien bis zu Funktionsfasern mit integrierter Schutzfunktion. Neue Handelsabkommen sowie die dynamische Entwicklung in vielen Teilen der Welt eröffnen neue Perspektiven für die Markterschließung.

Es fehlt also weder an Ideen noch an Unternehmergeist. Was fehlt, ist ein Umfeld, das unternehmerisches Handeln wieder stärker ermöglicht, statt jedes denkbare Risiko mit neuen Vorgaben, Nachweisen und Berichtspflichten beantworten zu wollen. Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Unternehmen müssen Regeln einhalten und für ihr Handeln einstehen, was vor allem der Mittelstand schon immer tut. Sie brauchen aber auch die Freiheit, schnell zu entscheiden und zu reagieren, zu investieren und etwas zu wagen. Genau dort beginnt Innovation.

Das gilt umso mehr, weil die Belastung klar berechenbar ist. Rund 64 Milliarden Euro jährlich kosten allein die bundesrechtlichen Informations-, Dokumentations- und Nachweispflichten nach einer aktuellen IW-Untersuchung. EU-, Landes- und Kommunalrecht sind darin noch nicht einmal enthalten. Unsere Bürokratie-Doppelseite zeigt, wie weit entfernt die von Brüssel und Berlin angekündigten Entlastungen von der betrieblichen Realität sind.

Deutschland braucht deshalb mehr als eine Konjunkturspritze durch zusätzliche – überwiegend konsumtiven – Staatsausgaben. Es braucht wieder Wachstum aus eigener unternehmerischer Kraft. Die Unternehmen zeigen längst, dass sie investieren, innovieren und neue Chancen suchen. Man muss ihnen wieder mehr zutrauen – und mehr Raum dafür lassen. Die Masche wächst. Sorgen wir dafür, dass sie das auch in Deutschland wieder kann.