Die von der SPD geplante Reform der Erbschaftsteuer droht zu einer massiven Belastung für den industriellen Mittelstand zu werden – und trifft damit auch die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie ins Mark. Neue Berechnungen der Stiftung Familienunternehmen und Politik zeigen, dass künftig rund 83.000 Betriebe mit höheren Steuerzahlungen rechnen müssten. Sie stehen für mehr als 5,2 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland.
Hohe Erbschaftsteuerzahlungen gefährden Investitionen, Innovationen und damit Arbeitsplätze. Wenn Unternehmensnachfolger gezwungen sind, enorme zusätzliche Steuerlasten aus dem laufenden Betrieb zu finanzieren, fehlt dieses Geld für Modernisierung, Nachhaltigkeit und die notwendigen Strukturanpassungen unserer Industrie.
Martina Bandte, Präsidentin GESAMTMASCHE
Geplant ist, die bisherigen Verschonungsregeln für Betriebsvermögen weitgehend abzuschaffen und stattdessen einen Freibetrag von fünf Millionen Euro einzuführen. Was politisch als Beitrag zu mehr Steuergerechtigkeit verkauft wird, verkennt die Realität vieler familiengeführter Industrieunternehmen. Gerade in der Textil- und Bekleidungsindustrie steckt der Unternehmenswert überwiegend in Produktionsanlagen, Immobilien, Marken und internationalen Lieferketten – nicht in frei verfügbarer Liquidität.
„Unsere Branche ist kapitalintensiv und langfristig ausgerichtet. Hohe Erbschaftsteuerzahlungen gefährden Investitionen, Innovationen und damit Arbeitsplätze“, warnt Gesamtmasche-Präsidentin Martina Bandte. Besonders problematisch sei dies für Betriebe in ländlichen Regionen, in denen Textil- und Bekleidungsunternehmen häufig zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen.
Zwar stellt die SPD niedrigere Steuersätze und großzügige Stundungsregelungen in Aussicht. Doch auch gestreckte Zahlungen entziehen den Unternehmen Mittel, die dringend für Transformation, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsinvestitionen benötigt werden. „Wenn Unternehmensnachfolger gezwungen sind, enorme zusätzliche Steuerlasten aus dem laufenden Betrieb zu finanzieren, fehlt dieses Geld für Modernisierung, Nachhaltigkeit und die notwendigen Strukturanpassungen unserer Industrie“, so Martina Bandte weiter.
Angesichts hoher Energiepreise, zunehmender internationaler Konkurrenz und wachsender regulatorischer Anforderungen ist die Branche bereits stark gefordert. Eine zusätzliche Belastung bei der Unternehmensnachfolge würde die wirtschaftliche Substanz vieler Betriebe nachhaltig schwächen. „Wir brauchen eine Erbschaftsteuer, die Gerechtigkeit schafft, ohne die Zukunftsfähigkeit des industriellen Mittelstands aufs Spiel zu setzen“, betont die Gesamtmasche-Präsidentin. Gesamtmasche fordert daher eine Reform, die den Erhalt von Arbeitsplätzen, Investitionsfähigkeit und unternehmerische Verantwortung über Generationen hinweg sicherstellt.
