Industrieproduktion im Sinkflug: Textiler Mittelstand fordert Kurswechsel Bild: © Andy – pixabay.com

Industrieproduktion im Sinkflug: Textiler Mittelstand fordert Kurswechsel

Vier Jahre in Folge ist die Industrieproduktion in Deutschland nun gefallen - und mit ihr die Beschäftigung. GESAMTMASCHE-Präsidentin Martina Bandte fordert einen schonungslosen Kurswechsel.

Nach drei Jahren wirtschaftlicher Schrumpfung erwartet der BDI für das Jahr 2025 ein Mini-Wachstum von +0,1 Prozent. Doch hinter dieser Gesamtzahl steht eine Entwicklung, die für den industriellen Mittelstand mehr als alarmierend ist: Die Industrieproduktion fällt weiter – bereits das vierte Jahr in Folge.

Martina Bandte, Präsidentin Gesamtmasche; Bild: Gesamtmasche

Die mittelständische Textil- und Modeindustrie in Deutschland ist in ihrer Existenz bedroht. Die Betriebe stehen im internationalen Wettbewerb – und brauchen einen Standort, der Produktion ermöglicht statt sie zu verteuern.

GESAMTMASCHE-Präsidentin Martina Bandte

Die Branche mit ihren überwiegend familiengeführten Betrieben ist der Negativentwicklung noch stärker ausgesetzt als andere Branchen oder Großbetriebe, denn zunehmende Regulierung, Verwaltungs- und Arbeitskosten treffen sie besonders hart. Von Januar bis Oktober 2025 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vorjahr um -2,1 Prozent. In der Textilindustrie sank die Produktion im selben Zeitraum um 4, 3, in der Bekleidungsindustrie sogar um 5,7 Prozent. „Damit verliert Deutschland nicht mehr schleichend, sondern rasant an industrieller Substanz – und damit an Wertschöpfung, Investitionen, Standortattraktivität und Exportkraft“, unterstreicht Martina Bandte. Zusätzlich rechnet der BDI für 2025 mit einem realen Exportrückgang von -0,8 Prozent. Auch für die Branche ging der Export zurück, bei Textil um -0,4 Prozent, bei Bekleidung sogar um 2,7 Prozent.

Dienstleistungen wachsen – aber Bürokratie frisst industrielle Leistung

Dass Teile der Dienstleistungswirtschaft zulegen, ist nicht automatisch ein Zeichen von Stärke. Ein erheblicher Teil dieses Wachstums entsteht durch Regulierungs- und Bürokratieaufwuchs, der neue Pflichten und Kontrollketten schafft – und damit Beschäftigung bei Software- und Compliance-Anbietern, Zertifizierern, Beratern, Rechtsdienstleistern und wachsenden Verwaltungseinheiten auslöst. „Für die Industrie heißt das: mehr Aufwand, mehr Kosten, weniger Zeit für Wertschöpfung“, sagt Martina Bandte. „Wenn Produktion sinkt, während Bürokratie expandiert, ist das kein Fortschritt, sondern eine Standortschwäche.“

Mehr Marktwirtschaft, weniger Symbolpolitik!

Kurswechsel jetzt: Raus aus dem Verwaltungsmodus!

Die  Konjunkturdaten zeigen klar: Die Industrieproduktion steht unter massivem Druck – und damit die Basis für Wohlstand, Beschäftigung und technologische Stärke. Die mittelständische Textil- und Modeindustrie braucht einen sofortigen Kurswechsel. GESAMTMASCHE fordert daher: Entlasten statt überfrachten, investieren statt blockieren, produzieren statt verwalten.

Fünf essenzielle Forderungen aus Sicht des textilen industriellen Mittelstands

1. Industriestandort stärken: Produktion wieder attraktiv machen, Investitionen ermöglichen

Deutschland braucht eine klare industriepolitische Agenda, die Wertschöpfung im Land hält und den Fokus auf Produktion und Investitionen legt, Dazu gehören wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, schnellere Abschreibungen, Investitionsanreize für Digitalisierung – und vor allem Planungssicherheit für Unternehmen.

2.  Bürokratieabbau jetzt: Berichtspflichten runter, Doppelregeln weg

Betriebe müssen wieder mehr Zeit und Personal für Entwicklung, Produktion und Vertrieb haben – statt für Nachweise, Prüfketten und Verwaltungsprozesse. Das funktioniert nur über radikale Vereinfachungen in der Gesetzgebung, digitale Verfahren ohne Mehrfachmeldungen und mittelstandstaugliche, großzügige Schwellenwerte.

3. Energie bezahlbar machen: Entlasten, beschleunigen, planbar gestalten

Energie ist ein zentraler Kostenfaktor für die Industrie. Energie muss bezahlbar, sicher und sauber sein. Dafür braucht es eine marktwirtschaftliche, technologieoffene Energiepolitik ohne ideologische Vorgaben. Preise müssen wieder stärker über Angebot und Wettbewerb entstehen.

4. Außenhandel stärken: Exportfähigkeit sichern, fairen Wettbewerb durchsetzen

Die halbherzig betriebene Außenwirtschaftsförderung muss dringend ausgebaut werden, damit die deutsche Textil- und Modeindustrie vom weltweiten Wachstum profitieren kann. Neben Handelshemmnissen wie Zöllen sind auch Verzerrungen durch unfairen Wettbewerb konsequent anzugehen.

5. Überflüssige Markteingriffe stoppen: Kosten- und Verzerrungsspiralen vermeiden

Politische Eingriffe in Preis- und Kostenstrukturen müssen auf ihre Nebenwirkungen geprüft werden: Gut gemeint führt häufig zu teuer, kompliziert und wettbewerbsschädlich. Statt Arbeitskosten weiter durch zusätzliche Eingriffe nach oben zu treiben und neue Kostenwellen auszulösen, muss Leistung wieder belohnt werden, um Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen und Beschäftigung zu fördern.

GESAMTMASCHE – Stimme des industriellen Mittelstands der deutschen Textil- und Modeindustrie.