In letzter Minute hat sich doch noch eine Perspektive für den insolventen Maschinenbauer Mayer & Cie. eröffnet: Mit Huixing Machine Co., Ltd. aus China ist ein Investor gefunden, der zentrale Vermögenswerte des Unternehmens übernimmt und damit den vollständigen Verlust eines Schlüsselakteurs im Rundstrickmaschinenbau verhindert. Für die deutsche Maschenbranche bleibt damit ein zentraler Anbieter maschentechnologischer Kompetenz erhalten.
Noch im Dezember 2025 schien das Schicksal des Rundstrickmaschinenbereichs von Mayer & Cie. besiegelt. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Dezember 2025 war die Einstellung des Geschäftsbetriebs eingeleitet worden, die meisten Mitarbeitenden erhielten Kündigungen zum Ende Februar 2026. Während der Flechtmaschinenbereich bereits an einen italienischen Investor veräußert wurde, blieb für den Rundstrickmaschinenbau zunächst jede Lösung aus. Umso überraschender – und bedeutsamer – ist die nun erzielte Einigung auf den letzten Metern.
Investor aus dem Zentrum der chinesischen Textilindustrie
Huixing Machine Co., Ltd. mit Sitz in Shishi City, einem Zentrum der chinesischen Textil- und Maschinenbauindustrie, übernimmt ausgewählte Vermögensgegenstände von Mayer & Cie., darunter die Immobilie in Albstadt sowie Beteiligungen, unter anderem an Tochtergesellschaften in China und der Tschechischen Republik. Die entsprechenden Kaufverträge wurden Anfang dieser Woche unterzeichnet.
Huixing beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter an sechs Produktionsstandorten und zählt zu den führenden chinesischen Herstellern von Strickmaschinen und zugehöriger intelligenter Software. Der Einstieg des Unternehmens wird von den Verfahrensbeteiligten als strategische Chance gewertet – nicht zuletzt aufgrund der internationalen Marktpräsenz und der engen Verbindungen in Asien.
Zukunft von Standort und Beschäftigten bleibt offen
Nach eigenen Angaben strebt Huixing nach Vollzug des Kaufvertrags eine Wiederaufnahme der Produktion von Rundstrickmaschinen am Standort Albstadt an. Konkrete Aussagen zur Zahl der Arbeitsplätze, zur Beschäftigung der bisherigen Mitarbeiter oder zur langfristigen Ausgestaltung des Standorts liegen bislang jedoch nicht vor. Der Vollzug der Transaktion steht zudem noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, unter anderem durch chinesische Behörden sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Mit einem Abschluss wird derzeit in sechs bis acht Wochen gerechnet.
In dieser Phase zwischen Vertragsunterzeichnung und endgültigem Vollzug will der Investor sein Konzept für die neue Gesellschaft ausarbeiten. Welche Rolle der Standort Albstadt darin künftig spielen wird, bleibt abzuwarten.
Industrielle Substanz und Know-how bleiben erhalten
Für den Sanierungsexperten Martin Mucha von der Kanzlei GRUB BRUGGER, der das Verfahren als Generalbevollmächtigter begleitet, ist der Einstieg von Huixing dennoch ein wichtiger Erfolg: Know-how, technologische Kompetenz und die internationale Reputation von Mayer & Cie. gehen nicht verloren. Auch der Sachwalter Ilkin Bananyarli (PLUTA Rechtsanwalts GmbH) spricht von einer „Wendung in letzter Minute“, die für Unternehmen und Gläubiger gleichermaßen positiv sei.
Mayer & Cie., ein familiengeführtes Unternehmen in vierter Generation, galt über Jahrzehnte als weltweit anerkannter Hersteller von Rundstrick- und Flechtmaschinen. Der drastische Umsatzeinbruch in einem von starken Turbulenzen geprägten Markt führte im Herbst 2025 in die Insolvenz. Dass nun der Rundstrickmaschinenbau eine neue Perspektive erhält, ist für die Branche ein wichtiges Signal – auch wenn die entscheidenden Fragen zur Zukunft des Standorts und der Beschäftigten noch unbeantwortet sind.
Bild: © Mayer & Cie.
