Im Zuge des EU Green Deal strebt die EU-Kommission an, den Anteil an Recyclingfasern (insbesondere „Fiber-to-Fiber“) in Textilien, schrittweise zu erhöhen. Doch bislang existiert keine standardisierte Prüfmethode, um den Anteil von Recyclingfasern in einem Textil zu prüfen. Das stellt sowohl Textilhersteller wie auch Verbraucher vor ein Problem. Denn ohne valide Testmethode lassen sich die kommenden Gesetzesvorgaben nicht verantwortliche umsetzen. Einen ersten Schritt zu einer validierten Testmethode hat nun ein Forschungsteam in den Niederlanden entwickelt – eine Toolbox mit drei Analysemethoden, die den mechanisch recycelten Baumwollanteil in Textilien semiquantitativ analysiert.
Die drei Methoden:
Mikroskopie: eine qualitative Methode, mit der das Vorhandensein von mechanisch recycelten Baumwollfasern anhand des Anteils beschädigter und unbeschädigter Faserenden bestätigt werden kann. Ein hoher Anteil beschädigter Faserenden deutet auf das Vorhandensein mechanisch recycelter Fasern hin, während ein hoher Anteil unbeschädigter Faserenden charakteristisch für Frischfasern ist.
Faserlängenverteilung: Eine semiquantitative Methode, bei der die Faserlängenverteilung gemessen und angepasst wird, wodurch der (mechanisch recycelte) Anteil geschätzt werden kann.
Polymerisationsgrad (DP): Eine Methode, die die Herkunft der mechanisch recycelten Baumwolle vor und/oder nach dem Verbrauch aufzeigt.
Durch die Kombination dieser Methoden können Textilkennzeichnungen und Nachhaltigkeitsangaben überprüft werden.
Eine Weiterentwicklung ist nötig
Das Ziel der Forscher ist die Implementierung der Toolbox in Testlabors weltweit. Um dies zu erreichen, müssen die Methoden zu bewährten Standards weiterentwickelt werden. Geplant ist, dass für die Mikroskopie Methode maschinelles Lernen für die automatisierte Bildanalyse und -klassifizierung eingesetzt wird, um quantitative Schwellenwertrichtlinien für die erwarteten Verhältnisse von beschädigten und unbeschädigten Faserenden in recycelten und neuen Fasern festzulegen. Zudem arbeiten die Forschenden daran, die DP-Werte verschiedener Recyclingströme zu messen und DP-Verteilungen anstelle eines einzigen Durchschnittswerts zu ermitteln. Für die Methode zur Bestimmung der Faserlängenverteilung sind Verbesserungen bei der Probenvorbereitung erforderlich, um einen wirtschaftlich tragfähigen Prozess zu gewährleisten, ebenso wie die Entwicklung automatisierter Anpassungsalgorithmen. In einem weiteren Schritt sind Richtlinien zur Probengröße und Messhäufigkeit erforderlich, um die Zuverlässigkeit zu gewährleisten, sowie Untersuchungen zur Genauigkeit der quantitativen Testmethoden.
Da erwartet wird, dass das chemische Recycling für verschiedene Rohstoffe industriell skaliert wird, müssen auch Testmethoden für chemisch recycelte Fasern entwickelt werden.
Die Studie wurde am 13. Februar 2026 auf dem Wissenschaftsjournal Nature publiziert und ist hier einsehbar: https://doi.org/10.1038/ s41598-026-39268-y
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