Kelheim Fibres schließt: Weiterer Verlust für die textile Wertschöpfung in Europa

Kelheim Fibres schließt: Weiterer Verlust für die textile Wertschöpfung in Europa

Mit der angekündigten Schließung von Kelheim Fibres GmbH Ende März verliert Deutschland einen wichtigen Faserproduzenten – und die europäische Textilindustrie ein wichtiges Glied ihrer Wertschöpfungskette.

Mit der angekündigten Schließung von Kelheim Fibres GmbH zum 31. März 2026 verliert Deutschland einen wichtigen Produzenten von Spezialfasern – und die europäische Textilindustrie ein weiteres Glied ihrer industriellen Wertschöpfungskette.

Investorenprozess ohne Ergebnis

Der Hersteller von Viskosespezialfasern teilte Ende Januar mit, dass eine Fortführung des Geschäftsbetriebs nicht möglich sei. Ein im Rahmen der Eigenverwaltung durchgeführter Investorenprozess blieb ohne Ergebnis. Auch ein zuletzt eingestiegener strategischer Investor zog sich kurzfristig zurück. Zudem konnten – trotz Unterstützung vieler Kunden und bereits eingeleiteter Restrukturierungsmaßnahmen – nicht genügend Abnahmemengen gesichert werden. Das Ausbleiben von Aufträgen eines zentralen Kunden verschärfte die Situation zusätzlich.

Nach Abschluss der laufenden Produktion soll nun ein geordneter Stilllegungsprozess eingeleitet werden. Für die Beschäftigten wurden ein Sozialplan und eine Transfergesellschaft vereinbart, um den Übergang in neue Arbeitsverhältnisse zu unterstützen.

Folgen für die europäische Textilindustrie

Die Schließung von Kelheim Fibres ist mehr als das Ende eines einzelnen Unternehmens. Sie steht exemplarisch für den wachsenden Druck auf die europäische Faser- und Textilindustrie. Steigende Produktionskosten, internationale Konkurrenz und eine schwache Nachfrage setzen insbesondere energieintensive Vorstufen der Textilproduktion zunehmend unter Druck. Mit dem Wegfall solcher Produktionskapazitäten verliert Europa weitere Teile seiner industriellen Textilbasis. Für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette wächst damit die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten – mit entsprechenden Folgen für Innovationsfähigkeit, Resilienz und Versorgungssicherheit.

Industriepolitischer Handlungsbedarf

Der Fall Kelheim Fibres macht deutlich, dass zentrale Produktionsstufen der Textilindustrie in Europa zunehmend unter Druck geraten. Wenn diese industriellen Kapazitäten weiter verloren gehen, wird es immer schwieriger, innovative und nachhaltige Materialien innerhalb Europas zu entwickeln und zu produzieren.

Hürden abbauen statt neue schaffen!

Damit sich solche Entwicklungen nicht fortsetzen, muss die Politik vor allem Hürden abbauen statt neue schaffen: international wettbewerbsfähige Energiepreise durch niedrigere Stromsteuern und Netzentgelte, deutlich weniger Bürokratie sowie ein Ende der einseitigen Kostenbelastung durch CO₂-Preise. Während europäische Unternehmen im EU-Emissionshandel für ihre Emissionen zahlen, existieren vergleichbare Systeme in vielen wichtigen Wettbewerbsregionen gar nicht oder nur mit deutlich geringeren Preisen und geringerer Branchenabdeckung. Solange diese Wettbewerbsnachteile bestehen, steigt der Druck zur Produktionsverlagerung – mit entsprechenden Folgen für industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa.