Kreislaufwirtschaft ist für die Textilindustrie wirtschaftlich chancenreich und industriepolitisch relevant. Dies ist das Ergebnis einer Potenzialstudie zur Kreislaufwirtschaft, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit Partnern, u. a. dem Gesamtverband textil+mode, anlässlich der IFAT in München vorgestellt hat. Die Autoren der Studie rechnen, dass sich die Bruttowertschöpfung von Kreislaufwirtschaft für die gesamte deutsche Industrie bis 2045 von jährlich 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln kann – kumuliert bis zu 880 Milliarden Euro. Kreislaufwirtschaft könnte bis 2045 rund 11 Millionen Tonnen Treibhausgase zusätzlich einsparen und die Kosten der Energiewende um fast 40 Milliarden Euro senken.
Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, die rund 1 400 Unternehmen der Branche mit über 120 000 Beschäftigten vertritt: „Die BDI-Studie macht sehr klar, dass Kreislaufwirtschaft eine wirtschaftsstrategische Aufgabe ist. Genau an diesem Punkt setzen wir mit der Gründung einer Gemeinsamen Herstellerstelle (GHS) an: Wir wollen unser Wissen und Können bei der Gestaltung und Steuerung einer funktionierenden textilen Kreislaufwirtschaft gezielt einsetzen und bei der Umsetzung des geplanten Textilgesetzes von Bundesumweltminister Carsten Schneider als Hersteller mit unserer ganzen Expertise eine aktive Rolle spielen.“
Während das Bewusstsein der Branche für zirkuläre Ansätze wie Recycling, langlebiges Produktdesign und neue Geschäftsmodelle wächst, ist die textile Wertschöpfung noch stark linear organisiert, schreiben die Autoren der Studie. Große Mengen an Alttextilien, komplexe Materialströme und unzureichende Sortier- und Recyclingkapazitäten hemmen bislang den Übergang zu geschlossenen Kreisläufen. Die GHS Textil soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und eine aktive Rolle bei der Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) zu übernehmen.
Wie in der BDI-Studie hervorgehoben wird, kann EPR ein Hebel für funktionierende textile Kreisläufe sein. Dafür muss sie aber als Anreiz- und Innovationssystem ausgestaltet werden. Die Eckpunkte von Bundesumweltminister Schneider für ein Textilgesetz müssen aus Sicht des Gesamtverbandes textil+mode deshalb noch deutlich nachgebessert werden.
„Hersteller dürfen im EPR nicht auf die Rolle einer reinen Zahlstelle reduziert werden“, betont Hauptgeschäftsführer Mazura. „Nur wenn ihre Expertise systematisch genutzt wird, können wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle entstehen.“ Hersteller von Bekleidung, Heimtextilien und Schuhen sollen nach den Eckpunkten für ein Textilgesetz in Zukunft für das Inverkehrbringen von Textilien zahlen.
Am Eröffnungstag hatte Bundesumweltminister Schneider den Gesamtverband textil+mode auf dem Sonderstand Textile Kreislaufwirtschaft der IFAT in München besucht. Präsidentin Ingeborg Neumann kündigte eine aktive Rolle der Hersteller bei der bevorstehenden Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) an.
Pressemitteilung „Gründung einer Gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien“ vom 4. Mai 2026
Matthias Harms (Vize-Präsident BDE), Bundesumweltminister Carsten Schneider, Ingeborg Neumann (Präsidentin Gesamtverband textil+mode)