Mit Joybuy baut der chinesische Handelsriese JD.com derzeit sein Europageschäft aus. Gleichzeitig will der Konzern die MediaMarkt-Saturn-Mutter Ceconomy übernehmen. Noch stehen Elektronik und Konsumgüter im Vordergrund. Doch für die Textil- und Modebranche lohnt sich ein genauer Blick: Hinter JD.coms Expansion steht ein Modell, das derzeit weltweit an Bedeutung gewinnt: Chinesische Unternehmen bringen nicht mehr nur ihre Waren, sondern zunehmend ganze Lieferketten in die Nähe ihrer Absatzmärkte. In Ägypten und Marokko entstehen voll integrierte textile Wertschöpfungsketten unter chinesischer Regie. Bald drängen dies Produkte zollfrei in den EU-Markt, begleitet von einer hochmodernen Logistik.
Handel, Logistik und Marktzugang
Seit März 2026 ist Joybuy offiziell in Deutschland und weiteren europäischen Märkten aktiv. Anders als Temu oder Shein setzt die Plattform nicht in erster Linie auf Kleinsendungen direkt aus China, sondern auf ein breites Sortiment, bekannte Marken, europäische Lager und sehr kurze Lieferzeiten. Auch Mode gehören bereits zum Angebot. JD.com verfügt dafür über einen entscheidenden Vorteil: Der Konzern hat in China eines der weltweit leistungsfähigsten eigenen Logistiksysteme aufgebaut und überträgt dieses Modell Schritt für Schritt nach Europa. Ein bedeutender Standort ist das Logistikzentrum in Oberhausen.
Je teurer und regulatorisch schwieriger der Direktversand aus China wird, desto attraktiver wird für kapitalkräftige chinesische Plattformen der Aufbau eigener Lager-, Import- und Vertriebsstrukturen innerhalb Europas.
Noch mehr Gewicht könnte die geplante Übernahme von Ceconomy mit MediaMarkt und Saturn bringen. Die EU-Kommission untersucht die 2,2-Milliarden-Transaktion derzeit noch darauf, ob JD.com von Subventionen profitiert, die den Wettbewerb in der EU verzerren könnten. Auch wenn morgen keine Bekleidung in den MediaMarkt-Filialen liegt: Für die Textil- und Modebranche relevant ist die entstehende Infrastruktur.
Ein chinesischer Konzern kombiniert digitale Plattform, eigene Lager- und Liefernetze, Daten über europäische Konsumenten und möglicherweise bald einen etablierten europäischen Handelskonzern.
Erfahren Sie mehr über Chinas neue Internationalisierungsstrategie und die Folgen chinesisch kontrollierter Wertschöpfungs-, Logistik- und Vertriebsstrukturen, die bereits in und um Europa entstanden sind. Hier geht es zum Mitgliederbereich.
Bild: OpenAI