Traditionelles Können, digitale Steuerung und flexible Fertigung: Mit ManuFashion® will der VDMD zeigen, wie Textil- und Modeproduktion wieder stärker in Deutschland stattfinden kann. Gewachsenes Know-how trifft auf neue Technologien und Produktionsmodelle.
Deutschland hat eine lange Textil- und Bekleidungstradition – und noch immer viel Wissen darüber, wie hochwertige Produkte entwickelt und gefertigt werden. Zugleich verändern sich die Anforderungen: Individualisierung, kleinere Stückzahlen und flexible Nachproduktion eröffnen neue Chancen für heimische Fertigung.Auch die Fachkräfte sind da: Nach VDMD-Angaben verlassen jährlich bis zu 600 Absolventinnen und Absolventen die rund 50 Maßschneider- und Modeschulen in Deutschland. Ihr Können in Schnitt, Passform und Verarbeitung will ManuFashion® für neue Produktionsstrukturen nutzen.
Handwerk trifft digitale Manufaktur
Jeweils fünf bis zehn Fachkräfte sollen sich in kleinen Manufakturen zusammenschließen und Prototypen, Einzelstücke und Klein(st)serien für Designer, Labels und etablierte Modeunternehmen fertigen. „Wir brauchen kein 1.111tes T-Shirt in der Produktion, sondern Mode auf Nachfrage“, beschreibt VDMD-Geschäftsführerin Mara Michel den Ansatz.
ManuFashion® verbindet die Stärken klassischer Manufakturen – Können, Qualität, Flexibilität und Nähe zur Entwicklung – mit digitaler Vernetzung. Eine zentrale Plattform soll Aufträge steuern, Preise kalkulieren und Designer, Textilhersteller und Manufakturen koordinieren. So entsteht aus kleinen Fertigungseinheiten ein vernetztes Produktionsmodell.
Die ersten Meister machen es vor
Wie das funktioniert, zeigt die erste ManuFashion®-Manufaktur in Thannhausen bei Günzburg. Pia Bender und Tim Wörz fertigen für Modelabels und Designer, die kleine Stückzahlen benötigen. Bereits kurz nach dem Start standen laut VDMD mehr als 20 Aufträge in der Pipeline; mit Klotz, Sweersocean und WOTE laufen konkrete Gespräche.
Potenzial ist vorhanden: Rund 8.600 kleinere deutsche Modelabels und Design-Start-ups zählt der VDMD. Doch auch für größere Unternehmen kann das Modell interessant sein – etwa für Capsule-Kollektionen, Sondereditionen oder flexible Nachproduktion. Künftig sollen Repair-Services hinzukommen.
Nähe rechnet sich
„Wir sind preislich gleichauf mit osteuropäischen Kollegen und bieten unschlagbare Flexibilität“, betont Michel. Gerade bei Kleinserien kann Produktion in Deutschland wirtschaftlich mithalten. Entscheidend ist die Gesamtkalkulation: Transportkosten entfallen, Wege und Vorlaufzeiten sind kurz, Abstimmungen direkt und Nachproduktionen schnell möglich. Michel bringt dafür ihre jahrzehntelange Branchenerfahrung und praxiserprobte Kalkulationsmodelle ein. Denn am Ende muss auch die Manufaktur Geld verdienen.
Öffentliche Förderung gibt es nicht: Der VDMD hat das Konzept aus eigener Kraft entwickelt und mit seinen Partnern umgesetzt. Weitere Standorte sollen folgen. Manufakturen in Kassel und Herzogenaurach stehen bereits in den Startlöchern.
ManuFashion® verbindet die Idee der Manufaktur mit digital vernetzter Produktion. Gewachsenes Fertigungswissen, neue Fachkräfte und moderne Steuerung eröffnen neue Perspektiven für wirtschaftlich tragfähige Klein- und Kleinstserien „Made in Germany“.
Mara Michel, Geschäftsführerin VDMD
↘ VDMD ManuFashion©-Manufakturen, Mara Michel, info@vdmd.de, Tel.: +49 176 31268197.
Pia Bender und Tim Wörz betreiben die erste ManuFashion®-Manufaktur in Thannhausen. Bild: © VDMD