Usbekistans Textilindustrie rückt in der Wertschöpfungskette nach oben – und das Land positioniert sich neu zwischen Europa und Asien. GUZ Partners begleitet diesen Wandel und schafft Kontakte zur deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie. Aktuell trainiert eine Gruppe usbekischer Unternehmerinnen in Albstadt.
Vom Baumwolland zum Anbieter fertiger Textilprodukte: Usbekistans Textilindustrie verändert sich mit hohem Tempo. Noch 2020 übertrafen die Exporte von Baumwollgarn mit 941 Millionen US-Dollar die Ausfuhr fertiger Textilerzeugnisse deutlich. 2023 lagen beide bereits nahezu gleichauf. Bis 2030 will das Land die Produktion von Fertigerzeugnissen auf 20 Milliarden US-Dollar verdreifachen. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen bereits 53 Prozent der Textilexporte auf Fertigerzeugnisse, nur noch 31 Prozent auf Garne. Insgesamt legten die Textilexporte gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 1,6 Milliarden US-Dollar zu.

Die usbekischen Unternehmerinnen an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.
Der nächste Schritt in der Wertschöpfung
Der Sprung vom Garn zu weiteren textilen Stufen ist allerdings mehr als eine Investitionsfrage. Mit höherer Wertschöpfung steigen die Anforderungen an Qualität, Produktentwicklung, Produktionsorganisation und Management.
Vom 14. bis 21. September absolvieren mehr als acht Unternehmerinnen aus verschiedenen Regionen Usbekistans ein Lean-Management-Training an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Erstmals sind auch Teilnehmerinnen aus Kashkadarya dabei, der zweiten Pilotregion der neuen Projektphase. Auf dem Programm stehen unter anderem Wertstromanalyse, Kennzahlen, Standardisierung und kontinuierliche Verbesserungsprozesse. Die Unternehmerinnen sollen das Gelernte in ihren eigenen Betrieben umsetzen und weitertragen.
„Wir qualifizieren nicht für den Seminarraum, sondern für die betriebliche Praxis. Die Teilnehmerinnen treffen Investitionsund Produktionsentscheidungen und geben ihr Wissen weiter. Gleichzeitig lernen sie die deutsche Textilbranche als Partner kennen. Daraus sollen Kontakte entstehen, die über das Projekt hinaus Bestand haben.“ Kamola Nabieva, Langzeitexpertin von GUZ Partners
Zwischen Ost und West
Für deutsche Unternehmen ist diese Entwicklung auch deshalb interessant, weil Usbekistan wirtschaftlich und verkehrspolitisch an Bedeutung gewinnt. Als einziges Land grenzt es an alle übrigen zentralasiatischen Staaten sowie an Afghanistan. Nach Westen wird der Transkaspische Transportkorridor ausgebaut, der Zentralasien über das Kaspische Meer und den Südkaukasus mit Europa verbindet. Die EU will daraus eine wettbewerbsfähige Landverbindung zwischen Europa und Asien mit Transportzeiten von höchstens 15 Tagen entwickeln.
Auch wirtschaftspolitisch rücken die Regionen näher zusammen: Seit März 2026 wird das neue Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Usbekistan vorläufig angewandt; parallel treibt das Land seinen WTO-Beitritt voran. Die EU ist bereits Usbekistans drittgrößter Handelspartner und zweitwichtigster Exportmarkt.
Das Land bietet einen wachsenden Inlandsmarkt, baut neue Wertschöpfungsstufen auf und sucht dafür internationale Partner. „GUZ Partners soll dabei helfen, diesen Markt früh kennenzulernen, Geschäftskontakte aufzubauen und Ansatzpunkte für gemeinsame Geschäfte in Deutschland, Usbekistan und darüber hinaus zu finden“, so Kamola Nabieva.
Kontakt für interessierte Unternehmen:
Romana Augenstein, GESAMTMASCHE, augenstein@gesamtmasche.de
