efix tricot produziert seit mehr als einem Jahrhundert Mode auf der Schwäbischen Alb. Heute führt Johanna Eichler das Familienunternehmen in vierter Generation gemeinsam mit ihrem Vater Dr. Franz Xaver Bumiller. Beiden geht es darum, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig die Stärken des mittelständischen Betriebs mit digitalen Prozessen, neuen Ideen und einer offenen Unternehmenskultur weiterzuentwickeln.
Volles Haus bei efix tricot in Hechingen: Zu den Innovationstagen Zollernalb der IHK Reutlingen strömten am 7. Juli zahlreiche Gäste ins Unternehmen. Offiziell stand ein Erfahrungsbericht zur Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems auf dem Programm. Tatsächlich ging es um eine viel grundsätzlichere Frage: Wie verändert man ein gewachsenes Unternehmen, ohne seine Stärken über Bord zu werfen?
Johanna Eichler und ihr Mann Felix berichteten nicht nur über Software, sondern über die Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen und Prozesse neu zu denken. Man müsse dabei auch den Mut haben, gelegentlich „Herzen zu brechen“, formulierte Felix Eichler augenzwinkernd. Denn ernstgemeinte Digitalisierung greife tiefer: Sie verändere Arbeitsabläufe, Verantwortlichkeiten – und damit auch die Unternehmenskultur. Genau diese Erfahrung hat efix in den vergangenen Jahren gemacht.
„Bei efix treffen heute unterschiedliche Generationen und Erfahrungen aufeinander. Das Bewährte weiterzuentwickeln, ohne seine Stärken aufzugeben – genau darin liegt die Aufgabe für die nachfolgende Generation.“
Johanna Eichler, Geschäftsführerin efix tricot

Vom Garn bis zur Konfektion: Die Fertigung erfolgt in Deutschland auf der Schwäbischen Alb oder in Nachbarländern.
Ein Familienunternehmen verbindet Tradition und Moderne
1907 gegründet, entwickelte sich efix vom Hersteller feiner Jerseywaren zum Anbieter hochwertiger Damenoberbekleidung. Seit 1956 ist Hechingen der Unternehmenssitz. Dr. Franz Xaver Bumiller trat 1988 in das Familienunternehmen ein und führte es durch Jahrzehnte eines tiefgreifenden Strukturwandels in der deutschen Textilindustrie. Dabei hielt er an regionalen Strukturen, eigener Produktkompetenz und langjährigen Lieferantenbeziehungen fest: „Gefertigt wird bis heute in Deutschland und im nahen europäischen Ausland.“ Heute führt er das Unternehmen gemeinsam mit seiner Tochter Johanna Eichler, die unter anderem die Bereiche IT, Personal und Marketing verantwortet. Ihre Mutter Sabine Bumiller prägte als Chefdesignerin bis zu ihrem Tod Anfang 2026 über Jahrzehnte den unverwechselbaren efix-Look.
Für Johanna Eichler war der Weg ins Familienunternehmen keineswegs vorgezeichnet. Die 31-jährige Ökonomin und Wirtschaftsinformatikerin arbeitete zunächst im Medienbereich und in der Start-up-Welt. Vor rund zwei Jahren übernahm sie operative Verantwortung bei efix. „Die Verbindung unterschiedlicher Erfahrungen ist prägend für unsere aktuelle Entwicklung“, sagt sie. „Bewährtes bleibt wichtig, zugleich werden Prozesse und Arbeitsweisen neu gedacht.“
Erst die Prozesse, dann die Technik
Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist die Digitalisierung. Johanna und Felix Eichler wollten zunächst einige schnell umsetzbare Verbesserungen anstoßen. Daraus entstand eines der anspruchsvollsten Projekte im Unternehmen: die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems. Doch die eigentliche Innovation bestand nicht darin, alte Abläufe möglichst vollständig in eine neue Software zu übertragen. Stattdessen wurden Prozesse aufgenommen, hinterfragt, vereinfacht und teilweise neu gestaltet. Nach einer intensiven Auswahlphase und Vorprojekten mit möglichen Anbietern entwickelte efix zusätzlich eine unternehmensspezifische App. Das neue System ging nach neun statt der geplanten zwölf Monate live – innerhalb desvorgesehenen Budgets.

Bei efix stehen auch die Mitarbeiterinnen selbst vor der Kamera.
Dabei erwies sich Digitalisierung vor allem als Führungsaufgabe. „Eine unserer wichtigsten Erfahrungen: Digitalisierung ist Chefsache“, unterstreicht Johanna Eichler. „Mitarbeitende müssen früh eingebunden, Entscheidungen klar getroffen und Veränderungen erklärt werden.“
Mode bleibt ein Geschäft mit Menschen
Bei aller Technik steht für Johanna Eichler der Mensch im Mittelpunkt. Ihr Credo: „Arbeit darf Spaß machen!“ Auch im Marketing probiert efix neue Wege aus. Mitarbeiterinnen stehen selbst vor der Kamera und präsentieren Mode aus dem eigenen Haus; zugleich experimentiert das Unternehmen mit KI-generierten Bildwelten.
Dahinter steht eine Frage, die viele mittelständische Modeunternehmen beschäftigt: Wie lässt sich ein Geschäftsmodell weiterentwickeln, das auf Produktwissen, Qualität und persönlichen Beziehungen beruht, wenn zugleich Geschwindigkeit, Daten und digitale Prozesse wichtiger werden?
Dr. Franz Xaver Bumiller formulierte es bei den Innovationstagen aus jahrzehntelanger Erfahrung. Regionale Produktion, attraktives Design und profitable Nischen hätten efix erfolgreich gemacht. Für die Zukunft reiche das allein jedoch nicht mehr. Digitalisierung und datengetriebene Prozesse seien zusätzliche Erfolgsfaktoren geworden. Die Arbeit von Johanna und Felix würdigte er ausdrücklich: „Mit den beiden hat efix beste Chancen auf eine erfolgreiche Weiterführung. Sie machen das mit Bravour.“
Unternehmerische Erfahrung für den Verband
Johanna Eichler wird sich künftig verstärkt bei GESAMTMASCHE engagieren und als kooptiertes Präsidiumsmitglied ihre Erfahrungen aus dem mittelständischen Familienbetrieb einbringen, der sich mit vielen aktuellen Herausforderungen der Branche unmittelbar auseinandersetzt: Digitalisierung und KI, Fachkräfte, Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie die Frage, wie sich textile Wertschöpfung in Deutschland und Europa noch rentabel umsetzen lässt.
Zum Unternehmen: www.efixelle.de
Familienunternehmen in vierter Generation: Dr. Franz Xaver Bumiller, Johanna und Felix Eichler mit Sabine Bumiller († 2026)