Iran-Konflikt bringt internationale Logistik unter Druck Bild: © myUKhub2 – pixabay.com

Iran-Konflikt bringt internationale Logistik unter Druck

Durch die militärischen Auseinandersetzungen können sich für die international vernetzte Textil- und Bekleidungsindustrie kurzfristig Störungen, steigende Transportkosten und längere Lieferzeiten ergeben.

Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran haben bereits spürbare Auswirkungen auf die internationale Logistik. Besonders betroffen sind wichtige See- und Luftverkehrsrouten im Nahen Osten. Für die international vernetzte deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie können sich daraus kurzfristige Störungen, steigende Transportkosten und Planungsunsicherheiten ergeben.

Straße von Hormus: Zentrale Handelsroute unter Druck

Ein zentraler Engpass ist derzeit die Straße von Hormus, eine der wichtigsten maritimen Handelsrouten der Welt. Nach Angriffen auf mehrere Tanker wurde die Passage de facto geschlossen. Reedereien reagieren mit Umleitungen, abgesagten Abfahrten und der Aussetzung von Buchungen.

Große Containerreedereien wie Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM haben Buchungen von und zu Häfen im Persischen Golf teilweise gestoppt oder eingeschränkt. Betroffen sind neben iranischen Häfen auch wichtige Umschlagplätze in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman. Zwar macht die Route nur etwa 2–3 Prozent des globalen Containerverkehrs aus, dennoch könnten sich die Auswirkungen bei einer längeren Blockade schnell global ausweiten. Rund 100 Containerschiffe befinden sich derzeit im Persischen Golf und können ihre Routen nur eingeschränkt fortsetzen.

Verzögerungen und mögliche Staus in globalen Lieferketten

Durch die gestrichenen Abfahrten beginnen sich Container in Häfen zu stauen, insbesondere in Indien und in asiatischen Ursprungshäfen. Gleichzeitig werden bereits unterwegs befindliche Container auf alternative Umschlagplätze – etwa in Singapur, Malaysia oder Sri Lanka – umgeleitet. Diese Entwicklung erinnert an die Situation während der Rotmeer-Krise 2024, als vermehrte Umladungen zu erheblichen Hafenüberlastungen führten. Zwar wird aktuell mit geringeren Engpässen gerechnet, dennoch könnten Verzögerungen entlang der gesamten Lieferkette entstehen.

Steigende Frachtraten möglich

Die unmittelbaren Auswirkungen zeigen sich bereits bei Transportpreisen für den Golfraum. Für Containertransporte von Shanghai nach Dubai haben sich die Preise innerhalb weniger Tage mehr als verdoppelt. Einige Reedereien erheben zusätzlich Notfallzuschläge von aktuell bis zu 3.000 US-Dollar pro Container. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten steigende Treibstoffkosten, geringere verfügbare Transportkapazitäten und verspätete Schiffsankünfte auch auf anderen Handelsrouten zu höheren Frachtraten führen.

Luftfracht besonders betroffen

Noch stärker als die Seefracht ist derzeit die Luftfracht betroffen. Angriffe auf Flughäfen und Luftraumsperrungen im Nahen Osten haben den Betrieb wichtiger Drehkreuze eingeschränkt. Die Golf-Airlines Qatar Airways, Emirates SkyCargo und Etihad gehören zu den größten Luftfrachtanbietern weltweit und stellen gemeinsam rund 13 % der globalen Kapazität. Ihre Hubs sind zentrale Verbindungspunkte zwischen Asien und Europa. Flugausfälle und geschlossene Flughäfen führen deshalb zu deutlichen Kapazitätsverlusten. Spediteure reagieren bereits mit zusätzlichen Direktflügen zwischen Asien und Europa. Dennoch wird erwartet, dass sich Frachtstaus in asiatischen Exportregionen aufbauen und die Preise weiter steigen.

Was sollten Firmen jetzt beachten?

Aktuell sind die Auswirkungen noch regional begrenzt. Sollte der Konflikt jedoch anhalten oder sich ausweiten, könnten die Störungen in der internationalen Logistik auch globale Lieferketten stärker beeinflussen – mit direkten Folgen für Beschaffung, Produktion und Handel der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie. Für Unternehmen der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie ergeben sich daraus mehrere Handlungsempfehlungen: Insbesondere bei Warenströmen aus Asien gilt es nun, Transportzeiten und Lieferketten besonders eng zu überwachen. Um Abhängigkeiten zu reduzieren, sollten Unternehmen alternative Transportwege oder Häfen prüfen. Insgesamt muss mehr Vorlaufzeit eingeplant werden, um Verzögerungen abzufedern, und gerade bei der Luftfracht sollten Unternehmen die Entwicklung der Frachtraten im Auge behalten.