Trotz sinkender Nachfrage bleiben die Seefrachtkosten zwischen Asien und Europa hoch. Nach Angaben des Logistikdienstes Freightos liegen die Spotraten auf den Routen nach Nordeuropa und ins Mittelmeer weiterhin bei über 3.000 US-Dollar je 40-Fuß-Container (FEU) – rund 70 Prozent über dem Vorjahresniveau. Für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, die in hohem Maße auf internationale Lieferketten angewiesen ist, bleibt die Transportkostenplanung damit schwierig.
Hohe Frachtraten trotz schwächerer Nachfrage
Seit Juli sind die Containerpreise auf den Asien-Europa-Routen kontinuierlich gesunken. In der Woche zum 13. Oktober stabilisierten sich die Raten nach Nordeuropa, während Transporte ins Mittelmeer um sieben Prozent auf rund 3.800 US-Dollar je FEU teurer wurden. Erste Reedereien haben weitere Tariferhöhungen angekündigt. Neben der geopolitischen Unsicherheit stützen anhaltende Hafenüberlastungen in Nordeuropa und Fernost das Preisniveau. Ein drohender Streik an deutschen Häfen konnte zuletzt abgewendet werden.
Rotes Meer bleibt Unsicherheitsfaktor
Neue Angriffe der Huthi-Rebellen auf Flughäfen in Saudi-Arabien erhöhen laut Freightos das Risiko einer erneuten Eskalation im Roten Meer. Seit Juni hatten Reedereien ihre Fahrten durch die Region schrittweise wieder ausgeweitet. Eine Rückkehr zur kürzeren Route durch den Suezkanal könnte die verfügbaren Transportkapazitäten erhöhen und die Frachtraten entlasten. Neue Angriffe auf die Schifffahrt würden diese Entwicklung gefährden.
Vertragsverhandlungen für 2027: Vorsicht bei langfristiger Bindung
Für Verlader beginnt derzeit die Verhandlungssaison über die Seefrachtverträge des kommenden Jahres. Während die Reedereien vom hohen Preisniveau profitieren, sprechen mehrere Faktoren für eine mögliche Entspannung 2027: Neue Containerschiffe vergrößern die Flotte, und eine weitere Normalisierung der Rotmeerpassagen könnte zusätzliche Kapazitäten freisetzen. Für Textil- und Bekleidungsunternehmen mit regelmäßigen Importen aus Asien stellt sich deshalb die Frage, ob sie sich bereits jetzt langfristig an die aktuellen Raten binden oder auf günstigere Konditionen warten sollten.
Luftfracht nach Europa wird günstiger
Anders entwickelt sich die Luftfracht aus China nach Europa. Hier sank der Preis zuletzt auf 3,58 US-Dollar je Kilogramm und lag damit neun Prozent unter dem Vorjahresniveau. Freightos führt dies unter anderem auf rückläufige E-Commerce-Mengen zurück. Weltweit liegen die Luftfrachtraten dagegen aufgrund hoher Treibstoffkosten und einer robusten Nachfrage um 33 Prozent über dem Vorjahr. Für die Beschaffung aus Asien bleibt die Lage damit widersprüchlich: Schwächere Nachfrage und wachsende Schiffskapazitäten sprechen mittelfristig für sinkende Transportkosten. Geopolitische Risiken und Hafenengpässe, auch durch Streiks z. B. in Hamburg, verhindern bislang jedoch eine durchgreifende Entlastung.
Quellen: Freightos Weekly Update, 13. Oktober 2026; Freightos Baltic Index und Freightos Air Index.