Seefracht: Klimavorgaben erhöhen den Kostendruck Bild: © Jacob-Meissner - unsplash.com

Seefracht: Klimavorgaben erhöhen den Kostendruck

Emissionshandel, neue Kraftstoffanforderungen und aufwendige Nachweise verteuern den Seetransport. Für die Textilbranche schlägt sich das in zusätzlichen Frachtkosten nieder.

Seit 2026 greift der EU-Emissionshandel für die Schifffahrt in voller Höhe: Reedereien müssen erstmals 100 Prozent der erfassten Emissionen mit Zertifikaten abdecken – nach 70 Prozent im Vorjahr. Obwohl die Zertifikate erst 2027 abzugeben sind, fließen die Kosten bereits in laufende Frachtpreise und Emissionszuschläge ein. Für Textil- und Bekleidungsunternehmen erhöht das den Kostendruck bei Beschaffung und Export.

Dabei zählt die Route: Zwischen EU-Häfen und im EU-Hafen werden grundsätzlich sämtliche Emissionen erfasst, auf Fahrten zwischen EU und Drittstaaten die Hälfte. Die Vorgaben gelten unabhängig von der Flagge. Auch asiatische Reedereien müssen sie bei entsprechenden Europaverkehren erfüllen.

Mehrere Vorgaben wirken zusammen

Parallel verlangt FuelEU Maritime seit 2025 eine schrittweise sinkende Treibhausgasintensität der an Bord eingesetzten Energie: zunächst um zwei Prozent gegenüber dem Referenzwert, ab 2030 um sechs Prozent. Das erhöht den Anpassungsdruck bei Kraftstoffen und Technik. Hinzu kommt erheblicher Verwaltungsaufwand. Eine aktuelle Mitteilung der Deutschen Emissionshandelsstelle kündigt die behördliche Prüfung der Unternehmensberichte für 2024 an. Europäische Prüfhinweise konkretisieren zudem die Dokumentation von Messgeräten, Motoren und Kraftstofftanks. Fehler können Nachbesserungen, erneute Verifizierungen und bei fehlenden Zertifikaten Sanktionen auslösen.

Müssen ältere Schiffe weichen?

Eine pauschale Pflicht, alte Schiffe auszumustern, besteht nicht. Zusätzlich zu den EU-Regeln gelten jedoch internationale Effizienzanforderungen der Weltschifffahrtsorganisation IMO. Schiffe mit wiederholt schlechter Emissionsbewertung müssen Verbesserungsmaßnahmen umsetzen. Nachrüstung – oder alternativ auch langsameres Fahren – können helfen. Dadurch verlängern sich tendenziell die Laufzeiten. Bei älteren, ineffizienten Schiffen kann der Aufwand einen Weiterbetrieb unwirtschaftlich machen und die Ausmusterung beschleunigen.

Die Branche zahlt über die Frachtrechnung mit

Reedereien geben Klimakosten über Emissionszuschläge oder die Grundfracht weiter. Für Textil und Bekleidung verteuert das den Transport von Fasern, Garnen, Stoffen und Fertigwaren. Langsameres Fahren kann zudem die Lieferplanung erschweren – besonders bei Saisonware. Unternehmen sollten Angebote deshalb einschließlich aller Zuschläge vergleichen und klären, welche ETS- und FuelEU-Kosten bereits enthalten sind.

Siehe auch: EU-Kommission: Emissionshandel im Seeverkehr, FuelEU Maritime und IMO: Effizienzanforderungen.