Zäsur im Textilimport Bild: © iStock-968819844

Zäsur im Textilimport

Ab dem 1. Januar 2027 greift die reformierte APS-Verordnung der EU mit voller Härte. Die neuen EU-Zollschranken dürften bisherige Beschaffungskonzepte ins Wanken bringen.
Das neue Allgemeine Präferenzschema der EU knüpft Zollvorteile für Entwicklungsländer bald an strengere Bedingungen. Durch die Absenkung der textilspezifischen Graduierungsschwelle auf 37 Prozent droht den dominierenden Exportnationen Bangladesch, Indien, Pakistan und Indonesien der Verlust ihrer Zollprivilegien. Das setzt nicht nur die geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Indien und Indonesien unter Zeitdruck, sondern sorgt für große Unruhe bei den Beschaffern: Der Bekleidungsriese Bangladesch wackelt.
 
Einkäufer müssen sich auf steigende Kosten und eine Verschiebung der Beschaffungsmärkte einstellen
 
Die europäische Handelspolitik schlägt im Textil- und Bekleidungssektor einen deutlich härteren Kurs ein. Nach jahrelangen Verhandlungen hat das EU-Parlament den Weg für die neue Verordnung über das Schema allgemeiner Zollpräferenzen (APS) freigemacht. Für die Praxis bedeutet das: Die Ära der unkomplizierten, zollfreien Massenimporte aus Asien geht zu Ende.
 
Die EU senkt die textilspezifische Graduierungsschwelle für die Sektionen S-11a (Textil) und S-11b (Bekleidung) drastisch von bisher 47,2 % auf nur noch 37 % des gesamten EU-APS-Importvolumens eines Sektors. Überschreitet ein Entwicklungsland diese Grenze, verliert es seine Zollvorteile automatisch. Zudem verknüpft Brüssel die Zollpräferenzen künftig strikt mit politischen Bedingungen wie Rückübernahmeabkommen für illegale Migranten.
 
Diese Neuregelung baut eine erhebliche Zollmauer vor den wichtigsten Beschaffungsmärkten auf. Einkäufer und Importeure stehen vor einer logistischen und finanziellen Neubewertung ihrer Lieferketten.
 
Welche Beschaffungsländer ab 2027 akut von der neuen 37-Prozent-Hürde betroffen sind und wie sich die Zölle für Bangladesch, Pakistan, Indien und Indonesien verändern, lesen Sie  in unserer detaillierten Risikoanalyse „Vier Textilgiganten im Visier der neuen EU-Zollpolitik“ im Mitgliederbereich, der auch einen Blick auf Beschaffungsalternativen jenseits der großen asiatischen Exporteure wirft.