Äthiopien: Textilstandort mit Hindernissen

AUSSENWIRTSCHAFT
 
 
 
Äthiopien: Textilstandort mit Hindernissen
Äthiopien will sich als ein neues internationales Zentrum der Textil- und Schuhindustrie etablieren. Neben der Kommerzialisierung der Landwirtschaft gehört der Aufbau textiler Produktionskapazitäten zu den Prio

Äthiopien will sich als ein neues internationales Zentrum der Textil- und Schuhindustrie etablieren. Neben der Kommerzialisierung der Landwirtschaft gehört der Aufbau textiler Produktionskapazitäten zu den Prioritäten der Regierung. Während einige asiatische Unternehmen bereits Investitionen getätigt haben, sind deutsche Unternehmen bislang kaum vertreten.

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2018 ca. 890 US-Dollar pro Kopf. Mit über 94 Millionen Einwohnern gehört das Land zu den bevölkerungsreichsten Nationen Afrikas. Fast 65 Prozent der Äthiopier sind unter 25 Jahre alt. Der Regierung will möglichst schnell möglichst viele junge Menschen in Lohn und Brot bringen. Dafür bietet sich neben der Landwirtschaft der Textilsektor an. Deutschland unterstützt das Land mit umfassender Entwicklungshilfe.

Die größten Herausforderungen Äthiopiens sind die verbreitete Armut, eine unzureichende Nahrungsmittelversorgung und eine unzulängliche Infrastruktur. Immer wieder kommen politische Spannungen auf. Das wirkt abschreckend auf ausländische Investoren. Zähe bürokratische Prozesse, mangelnde Pressefreiheit und ein autokratischer Regierungsstil haben das Bild des Landes lange geprägt. Seit Anfang der 90er Jahre entwickelt sich die ehemals sozialistische Planwirtschaft wieder zu einem dezentralen, marktwirtschaftlich geprägten System. Mit dem Aufbau moderner Industriezonen, die neben Steuervorteilen eine funktionierende Infrastruktur von garantierter Strom- und Wasserversorgung bis zu Arbeitersiedlungen bieten, will die äthiopische Regierung ausländischen Firmen ein Engagement schmackhaft machen.

Die deutsche Politik will das von krisengeschüttelten Nachbarländern umgebene Äthiopien weiter stabilisieren. Zwischen Südsudan, Somalia und Eritrea wirkt das Land trotz eigener ethnischer Konflikte als vergleichsweise ruhiger Pol. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich neben Bildung und Ernährungssicherung auf den Textilsektor, der aus Sicht des des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) eine wichtige Rolle als Jobmotor spielt. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt die Projekte zur Qualifizierung von Arbeitskräften und zur nachhaltigen Textilproduktion.

Funktionieren kann die deutschen Entwicklungsförderung nur, wenn sich auch Unternehmen in den Projekten engagieren. Alleine auf billige Löhne und Arbeitsplätze in der Näherei für rasch angelernte Kräfte wird Äthiopien das angestrebte Wachstum nicht aufbauen können. Viel zu groß ist die um Längen produktivere und besser vernetzte Konkurrenz in Asien. Äthiopien kann aber mit – bisher eher versteckten – Vorzügen punkten: Das sind der eigene Baumwollanbau mit teilweise hochwertiger Langstapelfaser und ein heimischer Textilsektor, der sämtliche Produktionsstufen abbildet. Mittelständische Familienbetriebe, die angesichts steigender Billigeinfuhren aus Asien um ihre Existenz kämpfen, sind auch in Äthiopien das Rückgrat der Branche.

Bild: © RonnyK / pixabay.com

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