Corona-Kabinett bessert nach

RECHT & WIRTSCHAFT
 
 
 
Corona-Kabinett bessert nach
06.04.2020
Die am Montag im Corona-Kabinett beschlossenen Nachbesserungen am KfW-Kreditprogramm sind zumindest ein Rettungsanker. Ohne Direkthilfen wird es aber nicht gehen.

Die Bundesregierung weitet das Sonderkreditprogramm der KfW in der Corona-Krise nochmals aus. Das Corona-Kabinett einigte sich bei seiner Sitzung am Montag darauf, dass der Bund künftig zu 100 Prozent für Kredite kleiner und mittlerer Unternehmen haftet. Den Beschluss teilten Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei einer anschließenden Pressekonferenz mit.

Der KfW-Schnellkredit beinhaltet folgende Eckpunkte:

  • Förderkredit für Anschaffungen und laufende Kosten
  • für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern, die mindestens seit Januar 2019 am Markt sind
  • 100 % Risikoübernahme durch die KfW
  • keine Risikoprüfung durch die Hausbank
  • Max. Kreditbetrag: bis zu 3 Monatsumsätze des Jahres 2019
    • Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten erhalten max. 500.000 Euro
    • Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten erhalten max. 800.000 Euro
  • 10 Jahre Laufzeit
  • Voraussetzung: Unternehmen hat zuletzt Gewinn erwirtschaftet – entweder 2019 oder im Durchschnitt der letzten 3 Jahre

Laut KfW soll die Antragstellung “schon bald” möglich sein.

„Für viele mittelständischen Betriebe ist es fünf vor zwölf“, mahnt Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode. Es sei ein Hoffnungsschimmer, dass Kredite für KMU für eine begrenzte Zeit mit einer 100-prozentigen Staatshaftung abgesichert werden sollen. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Kreditanträge der Unternehmen aber auch schnell und unbürokratisch bearbeitet werden.“

Angesichts der weiter geschlossenen Läden und des nahezu weltweit zusammengebrochenen Marktes für Mode und Textilien sind die Umsätze, vor allem bei den Bekleidungsunternehmen, um bis zu 85 Prozent und mehr eingebrochen. In einer aktuellen Umfrage von textil+mode gaben 80 Prozent der befragten mittelständischen Textilunternehmen an, bereits Kurzarbeitergeld angemeldet zu haben. Etwa 37 Prozent haben ihr Arbeitsvolumen bereits um mehr als die Hälfte gekürzt. 22 Prozent der Unternehmen können die Krise zu den aktuellen Bedingungen nur noch maximal vier Wochen durchstehen. Dann droht eine Insolvenz.

„Unsere aktuelle Umfrage zeigt: Unsere mittelständischen Unternehmen brauchen die Hilfen jetzt und zwar dringend, sonst droht eine Pleitewelle“, so Mazura. „Für viele Unternehmen helfen Kredite nur begrenzt, sie brauchen jetzt unabhängig von den Nachbesserungen des KfW-Kreditprogrammes schnelle nicht rückzahlbare Liquiditätshilfen zum Überleben. Außerdem ist es wichtig, so wie in Österreich Exit-Strategien aus dem Shutdown und Sicherheitskonzepte für die Wiedereröffnung von Läden zu konzipieren, damit der Handel wieder Bekleidung und andere Textilien verkaufen kann. Was in Supermärkten, Baumärkten und Drogerien mit Sicherheitsabstand und anderen Maßnahmen möglich ist, kann auch in anderen Bereichen des Handels umgesetzt werden.“

Bereits über ein Drittel der mittelständischen Textilunternehmen hat bereits begonnen, Mund-Nasen-Masken oder andere Schutzausrüstungen im Kampf gegen Corona herzustellen. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Vliesstoffproduktion in Deutschland über Fördermaßnahmen anzukurbeln, damit genügend Schutzausrüstung für medizinisches Personal bereitgestellt werden kann. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung ihre Beschaffung bündelt und mit konkreten Ansprechpartnern und weiteren Förderinstrumenten für die Unternehmen die Produktion im Land ankurbelt.“ Nur so kann es gelingen, den immensen Bedarf an Schutzausrüstung für medizinisches Personal, aber auch für einfache Mund-Nasen-Masken für die Bevölkerung, zu decken.“

Bild: © Pexels – pixabay.com

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