Kampf dem Plastikmüll

FORSCHUNG, TECHNIK & UMWELT
 
 
 
Kampf dem Plastikmüll
Die EU will mit ihrer Richtlinie zu Kunststoffprodukten gegen die Vermüllung der Ozeane vorgehen. Auch die Textilbranche wird aktiv.
Bis zu 12 Millionen Tonnen Plastikabfall gelangt nach UN-Angaben jedes Jahr in die Ozeane. Täglich konfrontieren uns die Medien mit Schreckensbildern von riesigen Müllinseln und verendeten Meerestieren. Die Europäische Union will mit ihrer Richtlinie zu Kunststoffprodukten dagegenhalten. Auch die Textilbranche nimmt sie dabei in die Pflicht. Doch deutsche Hersteller tun bereits mehr, als viele wissen.
Brüssel treibt sein Plastikstrategie voran. In Deutschland gilt seit 1. Januar 2019 das neue Verpackungsgesetz mit ehrgeizigen Recyclingquoten. Für die Hersteller- und Verpackungsregistrierung wurde eigens eine neue „Zentrale Stelle“ eingerichtet und die Systembeteiligungspflicht erweitert. Alle Verpackungen werden einer Bewertung mit Blick auf ihre Recyclingfähigkeit unterzogen. Ein finanzielles „Anreizsystem“ soll die Verwendung recyclingfähiger Verpackungen steigern. Mit dem neuen nationalen Gesetz trifft die EU-Plastikstrategie die deutsche Textilbranche ganz direkt. Neben zusätzlichen Kosten für die Hersteller durch die Ausweitung des Systems und restriktivere Vorgaben ergeben sich Auswirkungen auf die Art der Verpackung und damit auch auf Marketing, Logistik und Verbraucherinformation.
Nachhaltig Verpacken: ERFA-Kreis Verpackung und Recycling
Zur Vorbereitung auf die neue Verpackungsverordnung fanden sich Mitgliedsfirmen von GESAMTMASCHE bereits 2018 zum Erfahrungsaustausch zusammen. Schnell stellte sich daraus, dass neben der Information zur Gesetzeslage und zu den Herstellerpflichten eine gemeinsame Strategie notwendig ist, um nachhaltigeres Verpacken voranzutreiben und Recycling-Aspekte möglichst weitgehend zu berücksichtigen. Denn Umstellungen bei Verpackungsfragen kosten nicht nur Geld. Sie stoßen auf Hindernisse bei der Suche nach alternativen Materialien mit passenden Eigenschaften und auf Widerstände bei Handelskunden und Endverbrauchern. Auch innerhalb des Unternehmens ist eine enge Abstimmung erforderlich.
Pilotprojekte und Testläufe in den Mitgliedsfirmen zur Vermeidung von Verpackung sowie zum Einsatz nachhaltiger Verpackungsmaterialien eröffnen den ERFA-Kreis-Teilnehmer die Chance, das so erworbene Wissen ebenfalls zu nutzen und Erfahrungen zu bündeln. GESAMTMASCHE unterstützt die Mitglieder dabei als Austauschplattform und durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit.
Nächster Termin: Juli 2019. Kontakt: Silvia Jungbauer, jungbauer@gesamtmasche.de
Mikro- und Makroplastik
Verpackungsmüll ist ein internationales Umweltrisiko. Nicht nur der Müll in Form von Tüten, Einwegflaschen, Folien und Netzen ist problematisch. Der Kunststoff zersetzt sich durch UV-Licht, Salzwasser und Gezeiten zu winzigen Partikeln. Welche Auswirkungen diese Kleinstteile haben können, wenn sie in die Nahrungskette gelangen, ist noch nicht hinlänglich erforscht. Den Mix aus Reifenabrieb, winzigen Plastik-Kügelchen aus Kosmetika und Farben, Mikroplastik aus Klärschlamm und textilen Mikrofasern hält aber niemand mehr ernsthaft für unbedenklich.
Zur Verringerung des Makro- und Mikroplastik-Eintrags in die Umwelt hat die EU alle Mitgliedstaaten verpflichtet, ihre Recyclingquoten bis 2030 erheblich zu erhöhen und die Getrenntsammlung verschiedener Wertstoffe einzuführen. Ab 2021 sind zahlreiche Einwegplastikartikel verboten. Mit der „erweiterten Herstellerverantwortung“ sollen Bereitsteller der Plastikverpackungen für die Entsorgungskosten aufkommen, wenn Konsumenten die Umwelt mit Plastik vermüllen. Beim Mikroplastik nimmt die EU zunächst die absichtlich zugesetzten Kunststoffpartikel ins Visier, wie sie z. B. in Kosmetik- und Haushaltsmitteln oder Farben zum Einsatz kommen. Vorgeschlagen wird momentan deren Verbot ab 2022.
Ursachenforschung
Über die genaue Herkunft und Zusammensetzung der weltweiten Mikroplastik-Belastung wird noch gerätselt. Für Deutschland hat das Fraunhofer-Institut 2018 die Herkunft von Mikroplastik genauer untersucht. Hierzulande sind vor allem der Straßenverkehr und die von Abfall- und Industriebetrieben emittierten Plastikpartikel für die Entstehung von Mikroplastik verantwortlich. Nur rund 10 Prozent stammen von falsch entsorgtem Makroplastik. Aus synthetischen Textilien ausgewaschene Mikrofasern spielen mit einem Anteil von 2 Prozent eine untergeordnete Rolle.
Weltweit sieht es anders aus. In Asien, wo erheblich größere Plastikmüllmengen produziert werden, fehlt es oft an der nötigen Entsorgungs- und Recycling-Infrastruktur – und sei es auch nur die Verbrennung. Dadurch gelangen große Plastikmengen ins Meer, wo sie sukzessive zu Kleinstteilen zersetzt werden und wahrscheinlich für ca. 80 Prozent des Mikrofasereintrags stehen. Auch ausgereifte Klär- und Filtertechniken sind viel weniger präsent. Somit dürfte in Asien auch der Anteil von synthetischen Textilfasern an der Mikroplastikfracht größer sein. Der Faseraustrag entsteht nicht nur beim Waschen von Textilien, sondern auch als Faserflug und -staub bei verschiedenen Produktionsschritten, vor allem beim Einsatz kurzstapliger Fasern. In einigen Ländern ist die Technik zur Absaugung von Fasern und Stäuben weniger anspruchsvoll als in Deutschland und Europa, vor allem, wenn nicht für internationale Partner produziert wird.
In Europa und Amerika wird zu viel Plastikmüll produziert. Doch zumindest verfügen die meisten europäischen und amerikanischen Länder über eine gute Abfallentsorgung. In Asien dagegen fehlt oft jegliche Infrastruktur zur Sammlung und Weiterverwertung.
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Quelle/Grafik: www.grida.no/resources/6931, Maphoto/Riccardo Pravettoni
Europäisches Industriebündnis gegen textiles Mikroplastik
Der europäische Textil- und Bekleidungsfachverband EURATEX hat sich Anfang 2018 mit den Spitzenverbänden CIRFS (Chemiefasern), European Outdoor Group, FESI (Sportartikel) und AISE (Reinigungsmittel) zu einem Bündnis gegen Mikroplastik-Eintrag durch die Wäsche synthetischer Textilien zusammengeschlossen. Die Verbändegruppe sieht ihre Kernaufgaben darin, die Forschung zur Reduktion des globalen Mikroplastik-Eintrags voranzutreiben, gemeinsam harmonisierter Messmethoden zu erarbeiten und die Kooperation von Unternehmen und Instituten zu fördern.
Bild: © chaiyapruek youprasert / shutterstock_1146241895
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