Der Mittelstand braucht keine neuen Versprechen – sondern eine Regulierungspause Bild: KI-generiert

Der Mittelstand braucht keine neuen Versprechen – sondern eine Regulierungspause

Berlin verspricht Entlastung, aber Brüssel liefert ständig neue Vorschriften. Die Regulierungsflut erdrückt den textilen Mittelstand. Gesamtmasche-Präsidentin Bandte fordert den sofortigen Stopp neuer Auflagen.

Editorial masche 02/2026

Von Martina Bandte, Präsidentin Gesamtmasche

Die Koalition hat ein Reformprogramm präsentiert. So jedenfalls lautet die politische Botschaft vor der Sommerpause. Bürokratieabbau, flexibleres Arbeitsrecht, schnellere Genehmigungen und steuerliche Entlastungen sollen den Standort wieder auf Wachstumskurs bringen.

Martina Bandte, Präsidentin Gesamtmasche. Bild: Gesamtmasche

Wer Wettbewerbsfähigkeit stärken will, muss Unternehmen Freiräume geben – nicht immer neue Pflichten aufbürden.

Doch zunächst wurde nur beschlossen, etwas beschließen zu wollen. Die 34 Punkte sind eine Verständigung der Koalitionsspitzen, noch keine wirtschaftliche Entlastung. Bis aus den Vorhaben Gesetze werden, ist es noch ein weiter Weg. Nach der Sommerpause beginnt der politische Alltag – und mit ihm der Streit über Details, Finanzierung und Zumutungen. Was am Ende übrig bleibt, ist offen.

Noch schwerer wiegt ein anderer Widerspruch: Während Berlin Bürokratieabbau ankündigt, läuft die europäische Regulierungsmaschine ungebremst weiter. Ökodesign, digitaler Produktpass, erweiterte Herstellerverantwortung, Verpackungsrecht, sowie Lieferketten- und Nachweispflichten – bestehende Regelwerke werden nicht zurückgenommen, sondern fortgeschrieben. Zugleich entstehen bereits die nächsten Vorgaben.

Die mittelständischen Unternehmen der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie können nicht für jede neue Pflicht eigene Abteilungen aufbauen. Sie müssen entwickeln, produzieren und verkaufen – zugleich aber immer neue Vorschriften umsetzen. In ihrer Summe entziehen diese dem Mittelstand Zeit, Kapital und unternehmerische Freiheit. Jenseits rekordverdächtiger Insolvenzzahlen ziehen manche Familienunternehmer inzwischen schlicht die Reißleine – nicht wegen fehlender Aufträge oder offener Forderungen, sondern weil sie sich im Vorschriftendschungel aufreiben. Für viele familiengeführte Betriebe wird zudem der Generationenwechsel durch die Erbschaftsteuer zur Belastungsprobe.

Was fehlt, ist der politische Mut zu einer echten Regulierungspause: Keine neuen Auflagen, bevor bestehende Vorgaben praxistauglich umgesetzt und ihre tatsächlichen Kosten und ihr Nutzen überprüft sind. Gleichzeitig wird an der falschen Stelle gespart. Gekürzt wird bevorzugt dort, wo der Widerstand leise bleibt: bei klassischer Unterstützung für den Mittelstand durch Export-, Messe- sowie Forschungs- und Innovationsförderung. Ausgerechnet dort also, wo neue Märkte erschlossen und künftige Wertschöpfung entsteht. Dabei sind viele Unternehmen angesichts des schwachen Inlandskonsums mehr denn je auf Auslandsmärkte angewiesen.

Die masche zeigt, was im Mittelstand entstehen kann: neue Materialien, innovative Anwendungen, erfolgreiche Familienunternehmen und internationale Kooperationen. Unsere Branche ist immer noch bereit, in die Zukunft zu investieren. Um das volle Potential mittelständischen Unternehmergeistes auszuschöpfen, braucht sie endlich politische Rahmenbedingungen, die ermöglichen und fördern und nicht nur immer mehr fordern.