Usbekistan: Aufstrebende Textilnation in Zentralasien

AUSSENWIRTSCHAFT
 
 
 
Usbekistan: Aufstrebende Textilnation in Zentralasien
03.07.2020
Traditionell als einer der führenden Baumwollexporteure bekannt, ist Usbekistan heute längst mehr als ein Rohstofflieferant: Insgesamt gibt es rund 7.500 Textil- und Bekleidungsunternehmen verschiedenster Größe

Jahrelang galt das zentralasiatische Land als wenig zuverlässig mit Blick auf Umwelt- und Sozialstandards. Vor allem der Vorwurf der Kinderarbeit vergraulte internationale Einkäufer. Doch die ILO bescheinigt den Usbeken inzwischen ein erfreulich hohes Niveau bei den Arbeitsstandards. Usbekistan produziert heute eine breite Palette von Waren, von Garnen bis zur Fertigware. 825 Unternehmen stellen Textilien und 6750 – Näh- und Strickwaren her. Mehr als 950 Unternehmen exportieren ihre Waren. Investoren kommen aus China, Südkorea, Russland, Indien, Singapur, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern.

Prof. Dr. Klaus Mangold, Foto: © Wolfgang List

 

“Für die Kooperation der deutschen und der usbekischen Textil- und Bekleidungsbranche gibt es großes Potenzial. Usbekistan verfügt über eine vollstufige textile Kette und modernste Produktionsanlagen. Auf Sozial- und Umweltstandards legt das Land heute großen Wert.“

Prof. Dr. Klaus Mangold, Mangold Consulting

Die Branche steht aktuell für über 16 Prozent der usbekischen Industrieproduktion. Präsident Mirsijojew treibt die wirtschaftliche Öffnung mit Nachdruck voran und erkennt die komparativen Vorteile der Branche. Sein Beschluss „Über dringende Maßnahmen zur Unterstützung der Textil-, Näh- und Strickindustrie” sieht für die nächsten fünf Jahre weitreichende Investitionsprojekte vor, die vor allem auf den Export ausgerichtet sein sollen. 

Export: Wertschöpfung statt Rohstoffe

Bis 2025 will Usbekistan den Export von Rohbaumwolle durch hundertprozentige Verarbeitung im Inlandvollständig aufgeben. Dadurch soll der Branchenexport laut Uztextilprom, dem usbekischen Textilverband, auf 7,1 Mrd. US-Dollar steigen – gegenüber 2,2 Mrd. US-Dollar (einschließlich Baumwollfasern) im Jahr 2019. Im letzten Jahr legten die Ausfuhren (ohne Baumwollfasern) um beachtliche 25,3 Prozent auf mehr als 1,6 Mrd. US-Dollar zu. Hauptabnehmer waren Russland, China und die Türkei. 

Arbeitsbedingungen stark verbessert

Viele Jahre war es in Usbekistan Usus, Schüler, Studenten und Lehrkräfte als „freiwillige“ Erntehelfer zu verdingen. Aus freien Stücken kamen vermutlich die wenigsten. Seit 2016 ist die Gesamtzahl der Zwangspflücker auf usbekischen Baumwollfeldern stark gesunken. Kinderarbeit in Form von Schülereinsätzen auf den Feldern ist v

öllig verschwunden. Die Löhne der Baumwollpflücker haben sich seit 2017 fast verdoppelt und betragen heute ca. von 0,07 bis zu 0,12 Euro pro 1 kg Baumwolle. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) unterstreicht in ihrem jüngsten Bericht „Third-party monitoring of child labour and forced labour during the 2019 cotton harvest in Uzbekistan“ (veröffentlicht Feb. 2020) die enormen Verbesserungen ausdrücklich.

“The ILO continues to find that systematic or systemic child labour is no longer used during the cotton harvest in Uzbekistan. Systematic forced labour did not occur during the 2019 harvest.”

ILO-Bericht zu Kinder- und Zwangsarbeit bei der der Baumwollernte 2019 in Usbekistan 

Vor allem Organisationen im Baumwollland USA wie die „Cotton Campaign“ ignorieren die Fortschritte in Usbekistan und rufen auf Basis veralteter Berichte zu einem Boykott usbekischer Baumwolle auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die „Cotton Pledge“ haben insgesamt 305 Hersteller und Händler unterzeichnet, darunter einige große internationale Player. In Europa hingegen hat sich die Kunde zu den Verbesserungen hingegen schon verbreitet. Auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet mit der Branche vor Ort an einem groß angelegten Programm zur nachhaltigen Baumwollproduktion und -verarbeitung. Schon bald dürfte Usbekistan in der Lage sein, zertifizierte Produkte in beachtlicher Menge anzubieten.

 

UZTEXTILPROM

Der usbekische Textil- und Bekleidungsverband Uztextilprom vertritt rund 1.400 Industriebetriebe, darunter 130 Spinnereien, 114 Webereien, 54 Strumpfhersteller, 38 Wattehersteller, 26 Maschenstoffproduzenten und mehr als 1.000 Nähereien. Uztextilprom setzt sich dafür ein, dass die heimische Baumwolle vermehrt im Inland zu Halb- und Fertigprodukten verarbeitet wird. Die Pläne für die Jahre bis 2025 umfassen mehr 200 Vorhaben für 3 Mrd. US-Dollar. 2020 setzt der Verband rund 70 Projekte mit einem Gesamtwert von mehr als 860 Millionen US-Dollar um. Die Anzahl von Baumwoll-Textil-Clustern stieg 2019 auf 75 (2018: 15). Uztextilprom arbeitet mit zahlreichen internationalen Partnerorganisationen im Bereich Training und Zertifizierung zusammen. Gesamtmasche hat bereits 2010 eine Vereinbarung mit der Vorgängervereinigung geschlossen, die 2017 angepasst und erneuert wurde. Folgende Zertifizierungen wurden in der Branche bereits erreicht:

  • ISO-9001 800+ Unternehmen
  • Energy efficiency ISO-50001 10+ Unternehmen
  • STANDARD 100 by OEKO-TEX® 35+ Unternehmen
  • GOTS 1+ Unternehmen
  • BSCI 15+ Unternehmen
  • SEDEX 15+ Unternehmen

Bilder: © UZTEXTIL

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